Blogparade #ichliebemeinenJob

Ich bin Referentin für Online-Kommunikation bei einer internationalen Nichtregierungsorganisation. Kein Berufswunsch, den ich schon als Kind hatte. Denn: Online gab es noch nicht wirklich und was NGOs überhaupt sind, wusste ich auch nicht. In der Rückschau allerdings wird mir bewusst, dass ich nicht nur ständig meine Nase in Bücher gesteckt, sondern auch viel geschrieben habe. Eine Leidenschaft für Kommunikation wurde mir auch schon in der zweiten Klasse bestätigt, als es im Zeugnis hieß: „Sara konnte ihren Äußerungsdrang nicht immer steuern“ – diesen Euphemismus für „Das Kind kann seinen Schnabel nicht halten“ werde ich wohl nie vergessen.

14889849_1329434113734710_6317258977122659434_o

Der wurde mir mal mehr, mal weniger zum Verhängnis, denn die Kombination mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn führt dazu, dass ich mich häufiger mal mit Lehrer*innen in die Haare bekam, wenn diese Mitschüler*innen unfair behandelten. Bis ich allerdings bei meinem jetzigen Job landete, dauerte es doch noch etwas.

Nach dem Abi machte ich zunächst eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien – das Wort „Digital“ deutete schon die Richtung an. Nachdem ich meine Ausbildungszeit aber hauptsächlich damit verbringen musste, Etiketten von Wurstverpackungen zu designen, wurde mir schnell klar, dass ich mich inhaltlicher austoben will. Also entschied ich mich, Soziologie zu studieren. Da ich gern nach Münster wollte, musste ich ein zweites Studienfach wählen. Hier spielte dann der Zufall (und das Internet) eine große Rolle: Da ich wirklich und wahrhaftig keinen PC zuhause hatte, musste ich die Online-Bewerbung bei einer Freundin machen. Dort sollte ich das Zweitfach anklicken, von dem ich bisher noch nichts gewusst hatte. Erziehungswissenschaften? Deutsch? Religion? BWL? Alles nicht so meins, also klickte ich ohne viel Vorwissen, was mich genau erwartet, auf  Politikwissenschaften. Beruflich gesehen, eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Das Studium war anspruchsvoll, aber unglaublich spannend. Und auch wenn es platt klingt: Die Erkenntnisse haben mich wirklich geprägt.

Je weiter das Studium voranschritt, desto klarer wurde mir: Ich habe meine Berufung gefunden. Ich arbeitete ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe, bei Greenpeace und später bei der Aidshilfe. Im Studium fokussierte ich mich auf den Schwerpunkt NGOs, Arbeitsmarktpolitik und politische Soziologie.

Mittlerweile waren StudiVZ und MySpace schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Dafür hielten Twitter, Facebook und Blogs Einzug in meinen Alltag. Das fand ich so spannend, dass ich in meiner Masterarbeit untersuchte, ob NGOs durch soziale Netzwerke ihr oft beklagtes Demokratiedefizit – da sie nicht von der Bevölkerung gewählt sind – ausgleichen können. Eine komplexe Fragestellung, die mit einigem Abstand und der Entwicklung der sozialen Netzwerke mittlerweile sicher anders beantwortet werden müsste.

Nach dem Abschluss konnte ich meine Theorie in der Praxis überprüfen. Nach einem Jahr als Projektmitarbeiterin in der FH Münster fing ich bei Greenpeace als Web-Campaignerin an und begleitete verschiedene Kampagnen online. Ohne journalistische Ausbildung, aber mit jahrelanger Erfahrung als Bloggerin und ehrenamtlicher Greenpeace-Sprecherin in Münster war der Sprung ins Wasser damit immerhin lauwarm – und beim Schwimmen wird einem ja eh warm. Nach drei Jahren mit vielen spektakulären Aktionen, einigen Nachtschichten und viel neuem Wissen wechselte ich im Dezember 2014 zu Plan International Deutschland und bin seitdem dort als Referentin für Online-Kommunikation für alles rund um News und Social Media zuständig.

Die Frage „Liebst du deinen Job?“ würde ich also mit „Ja“ beantworten. Warum? Weil ich durch meine Arbeit die Welt verbessern kann, weil ich im Job viel lesen und schreiben darf und im ständigen Austausch über die sozialen Netzwerke bin. Das ist manchmal anstrengend, aber immer wieder spannend. Und jetzt muss ich los zur Arbeit 🙂

Advertisements

Befristete Jobs: Warum Unternehmen endlich damit aufhören sollten

Ein Arbeitsvertrag über zwei Monate, verlängert um noch einmal zwei, übergehend in eine Elternzeitvertretung und im Anschluss ein halbes Dutzend weitere Befristungen – alles bei einem einzigen Unternehmen. Eine Ausnahme? Nein, leider der Regelfall – zum Schaden von Mitarbeiter*innen und Arbeitgebern.

giphy-16

Von Befristung zu Befristung

Wenn es ein Merkmal unserer Generation gibt, dann das der Ordner mit den Arbeitsverträgen oft dicker ist als der mit den Verdienstabrechnungen. Zumindest für Geisteswissenschaftler ist es der Normalzustand, dass nach dem Studium eine Befristung die nächste jagt. Ein Zweijahresvertrag gilt schon als Luxus. Das betrifft nicht nur Krankheits- oder Elternzeitvertretungen, sondern dehnt sich auch auf normale Beschäftigungsverhältnisse aus. Rein rechtlich ist das verboten: Ohne sachlichen Grund darf ein Vertrag nur dreimal innerhalb einer Zweijahresfrist verlängert werden. Viele Unternehmen finden aber Mittel und Wege, das zu umgehen oder ignorieren es schlicht – und gerade Berufsanfängern bleibt oft keine andere Wahl, als sich auf das Spiel einzulassen. Doch warum nutzen Unternehmen die wiederholte Befristung überhaupt? Für mich steht fest: Langfristig schadet es den Unternehmen, ihren Mitarbeitern immer wieder neue Verträge zu geben.

1. Zwischen zwei Stühlen

Das Absurde an Arbeitsverträgen, die nur ein paar Wochen dauern, ist: Man unterschreibt sie und muss zeitgleich beim Arbeitsamt melden, dass man wieder arbeitssuchend ist. Denn wer keine Nachteile beim Arbeitslosengeld I bekommen will, muss sich mindestens drei Monate vor Vertragsende beim Arbeitsamt melden. Der Kopf kann nicht bei einem Projekt sein, wenn der Hinterkopf sich schon um Bewerbungen und Papierkram mit dem Arbeitsamt kümmern muss. In der Folge heißt das: Viele Mitarbeiter sind so oft hintereinander befristet, dass sie zwar mehrere Jahre bei einem Unternehmen angestellt, aber dauerhaft arbeitssuchend gemeldet sind. Wer konzentrierte Mitarbeiter haben will, sollte ihnen eine Perspektive bieten.

2. Verlust von Wissen für das Unternehmen

Insbesondere im ersten halben Jahr muss ein Unternehmen eine neue Mitarbeiterin oder einen neuen Mitarbeiter erst einmal einarbeiten. Bis man alle Abläufe und Strukturen in einem Unternehmen kennt, dauert es eben. Und gerade erfahrene Mitarbeiter sind wertvoll für ein Unternehmen. Gehen sie schnell wieder, verschwindet auch viel Expertise. Chefinnen und Chefs sollte klar sein: Winkt Mitarbeitern irgendwo ein Vertrag, der unbefristet ist oder wenigstens auf mehrere Jahre befristet ist, verlassen sie den Job für den, der ihnen mehr Sicherheit bietet.

3. Unsicherheit auch im Privatleben

Eine Wohnung zu mieten ist fast aussichtslos: Vermieter wollen feste Verträge sehen. Und: Wo sollte man überhaupt eine Wohnung mieten, wenn eh nicht klar ist, wie lange man noch in dem Stadtteil oder der gar der Stadt arbeitet? Aus dem Koffer zu leben und nach der Arbeit noch nach weiteren Zwischenmietlösungen suchen, zerrt an den Nerven. Von Arbeitnehmern wird gerade bei kurzfristigen Verträgen verlangt, innerhalb von ein bis zwei Wochen die neue Arbeitsstelle anzutreten. In Großstädten wie Hamburg, Berlin, Köln oder München – also da, wo besonders viele Jobs im atypischen Beschäftigungsverhältnis sind – wartet der Wohnungsmarkt nicht gerade auf Neuankömmlinge ohne festen Job. Es ist deswegen keine Seltenheit, dass man wochenlang bei Freunden auf dem Sofa schlafen muss – übernächtigte Mitarbeiter mit mangelnder Privatsphäre bringen sicher nicht die kreativsten Ergebnisse.

4. Planung? Ja, bis zur nächste Woche

Arbeitsverträge, die so kurz sind und keinerlei private Planung zulassen, haben für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitreichende Konsequenzen: Oft umfasst etwa der Urlaubsanspruch nur wenige Tage, so dass ein längerer Urlaub am Stück unmöglich wird und irgendwann die Kraft für die Arbeit zur Neige geht. Das kann man kurzfristig durchhalten, aber nicht über Jahre. Schwierig wird es vor allem für Paare, noch schwieriger für Paare in Fernbeziehungen. Und wer nicht weiß, ob er im nächsten Monat noch einen Job hat, denkt erst recht nicht an Kinder. Klar, dass qualifizierte Mitarbeiter dann schnell das Weite suchen, auch wenn es ihnen grundsätzlich im Job gefällt.

5. Fehlende Wertschätzung der Mitarbeiter

Wertschätzung ist für viele Arbeitnehmer eine größere Motivation als das Gehalt. Bei kurzen Verträgen kommt sie aber viel zu kurz. Hier habe ich schon alles erlebt: Erste Arbeitstage, ohne dass ein Schreibtisch vorhanden war oder eine Mail-Adresse eingerichtet wurde. Einarbeitungsrunden, an denen nur Festangestellte teilnehmen, weil die Projektmitarbeiter schlicht vergessen wurden. Arbeitsverträge, die erst einen Monat nach Beginn des Arbeitsverhältnisses vorlagen. Was bleibt, ist ein fader Beigeschmack, nicht gut behandelt worden zu sein – nicht gerade förderlich für den Ruf eines Unternehmens, gerade in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit groß geschrieben wird.

10 Tipps für ein erfolgreiches Marathontraining

42 Kilometer am Stück laufen. Warum macht das jemand freiwillig? Weil es spannend ist, an seine Grenzen zu gehen. Nicht nur für den Körper, auch für den Kopf. Denn nur, wenn man es will und an sich selbst glaubt, kann man diese Herausforderung bewältigen.

IMG_3189.JPG

Das Training ist vor allem Kopfsache

Sich auf einen Marathon vorbereiten, geht das überhaupt mit einem Vollzeitjob? Ja. Ich habe es zweimal erfolgreich geschafft – obwohl ich keinen Nine-to-five-Job habe. Vielleicht helfen euch meine Erfahrungen, den Mut zu sammeln, auch einen Marathon in Angriff zu nehmen. Und wenn nicht: Viele Tipps sind auch hilfreich, wenn es darum geht, Sport in den Alltag zu integrieren.

1. Such dir den passenden Zeitpunkt

Drei Monate zu finden, in denen beruflich und privat nichts passiert, dürfte unmöglich sein. Wenn aber schon absehbar ist, dass in dieser Zeit ein wichtiges Projekt vor dem Abschluss steht, ein Umzug geplant ist oder ein Jobwechsel ansteht, kostet das Zeit und Nerven, die dann im Training fehlen. Meinen ersten geplanten Marathon habe ich deswegen auch um ein Jahr verschoben: Mein Job in Münster endete und ich bin nach Hamburg umgezogen. Das Jahr drauf war die Trainingsphase zwar auch nicht ruhig, aber immerhin etwas berechenbarer.

2. Mach einen Plan und halte ihn flexibel

Ein Marathontraining dauert in der Regel zwölf Wochen. Je nach Trainingsplan trainiert man vier bis fünf Mal die Woche – davon einmal am Wochenende, meist am Sonntag, etwa zwei bis drei Stunden. Passende Pläne gibt es im Internet oder in meinen beiden Lieblingsbüchern „Die Laufbibel“ und „Das große Laufbuch“. Wenn du dich für einen passenden Plan entschieden hast, trage alle (!) Trainingseinheiten in deinen Kalender ein. Nur dann hast du eine gute Übersicht, wo und wann der Plan mit anderen Terminen kollidiert und kannst entsprechend umplanen. Und habe keine falsche Scheu, diese Einheiten etwas flexibel zu gestalten. Niemand scheitert am Marathon, weil er oder sie den 15-Kilometer-Lauf Dienstag statt Donnerstag macht.

3. Weihe Kollegen, Freunde und Familie ein

Ohne Unterstützung geht es nicht! Wenn du dich jedes Mal rechtfertigen musst, weil du abends beim Training statt beim Feierabendbier dabei bist, vermiest dir dein schlechtes Gewissen den Lauf. Gerade beim ersten Marathon ist der moralische Support in Krisen (und die werden kommen) unerlässlich. Ich erinnere mich noch an den Moment im ersten Marathontraining, als ich einen echten Hänger hatte. Stress privat, Stress im Job, gesundheitliche Probleme im Training. Dann kam ich morgens zur Arbeit und meine damalige Chefin hat meine kompletten Schreibtisch mit Energieriegeln übersät und ein Schildchen daneben deponiert: „Noch sieben Tage. Du schaffst das!“ Als ich dann endlich lief, standen Kolleginnen, Kollegen, Freunde und Familie am Rand und haben mich angefeuert. Das trägt dich, wenn dein Kopf oder Körper schwächeln.

4. Pack die Laufschuhe ein

Das Allerbeste am Laufen ist: Du kannst es immer und überall machen. Falls also eine Geschäftsreise ansteht, nimm die Laufsachen mit, recherchiere vorher eine geeignete Strecke und lauf los. So siehst du auch mehr von der Stadt als nur den Weg vom Bahnhof zum Hotel. Wenn du abends oft nicht pünktlich aus dem Büro kommst, versuche, morgens oder in der Mittagspause zu laufen.

5. Rede mit anderen Läuferinnen und Läufern

Wahrscheinlich überkommt dich spätestens nach der Halbzeit die Panik und du fragst dich, warum du dir das antust und ob du es wirklich über die Ziellinie schaffen wirst. Dann ist es gut, sich mit erfahrenen Läuferinnen und Läufern auszutauschen, die dein Laufpensum und Trainingsstand einschätzen können.

6. Triff Menschen, die keine Ahnung vom Laufen haben

Es kann sich nicht alles nur um die Arbeit und das Laufen drehen. Verabrede dich mit Freunden, rede über andere Dinge, schalte ab.

7. Höre auf deinen Körper

Mir ging es oft so, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste mich penibel an die Trainingspläne halten. Es gibt aber (Arbeits-)Tage, die sind einfach so anstrengend, dass abends einfach die Kraft fehlt, noch das anstehende 60-minütige Intervalltraining zu absolvieren. Es ist besser, das Training dann mit halber Power zu machen und auch mal ausfallen zu lassen. Starte im Zweifel lieber etwas untertrainiert als völlig ausgepowert in den Marathon.

8. Plane deine Mahlzeiten

Job und Training nehmen viel Zeit in Anspruch. Versuche, einmal die Woche grob zu planen, was und wann du am besten an den Trainingstagen essen kannst. Am besten versuchst du, keine allzu großen Portionen zu essen, sondern den Tag über immer relativ satt zu sein. Sonst passiert es vielleicht, dass du nach der Arbeit ausgehungert bist, trainieren willst und keine Snacks da hast, die dich über das Training tragen. Und vorher aus der Not heraus Fast Food zu essen und mit vollem Bauch zu laufen ist genauso ungünstig wie unterzuckert zu sein. Ich hatte immer einen Vorrat an Bananen, Trockenfrüchten und Nüssen da. Auch eine überraschend gute Notlösung: Ein paar Salzstangen.

9. Sei nicht so streng

Klar, eine gesunde Ernährung ist die Grundlage, damit dein Körper die Belastung verkraftet. Ich halte den kompletten Verzicht auf Zucker, Alkohol und Fast Food aber für Schwachsinn. Das Training ist eh anstrengend genug – da muss man sich nicht auch noch mit Askese zusätzlich stressen. Aber: Alles in Maßen und lieber nach dem Training.

10. Belohne dich

Überlege dir, wie du dich nach dem Marathon belohnen willst. Ich habe mir den Tag danach immer frei genommen und mir eine Massage gegönnt. Die Vorfreude darauf hilft beim Lauf!

Schokofondue to go

Wenn ich als Kind über die Kirmes ging, holte ich mir jedesmal einen Apfel mit Schokoglasur. Genau, die sauren Granny Smith am Stiel, die umhüllt waren von einer dicken Schicht Vollmilchschokolade. Und auch wenn in Hamburg gefühlt immer Dom ist und ich theoretisch jetzt jederzeit schnell an Schokoäpfel kommen könnte, hat meine Leidenschaft etwas nachgelassen, denn: Die Äpfel sind ziemlich mächtig und die Schokolade ist nicht besonders gut.

Umso erfreuter war ich, als ich neulich auf Stephanies Schokowelt stieß und Apfelchips entdeckte: Bio-Apfelchips vom Bodensee, überzogen mit Bio-Vollmilch-Kuvertüre aus Belgien. Und, fast noch besser, Apfelstückchen mit weißer Schokolade, Vollmich und Zartbitter.

apfelstueckchen_in_edelschokolade

Das schmeckt sogar noch besser, als es klingt – wie Schokofondue to go sozusagen. Vor allem die Zartbitter-Variante hat es mir angetan; damit kann ich nur schwer nach ein paar Stückchen wieder aufhören. Aber wie sagt man ja: An apple a day keeps the doctor away. Und wo doch jetzt der Herbst im Anmarsch ist, braucht man schließlich genug Vitamine!

Stephanies Schokowelt ist übrigens auch auf Facebook.

Nachhaltigkeit fängt bei uns selbst an

Ich arbeite seit sechs Jahren Vollzeit im NGO-Bereich. Inklusive Überstunden, Wochenend-Bereitschaft und Dienstreisen. Wie schafft man es, in einem Job abzuschalten, der auch Lebensinhalt ist?

Das Klischee, nach dem Arbeiten in sozialen Organisationen heißt, im Wollpullover zur Arbeit zu kommen und sein Hobby zum Beruf zu machen, in dem man hauptberuflich demonstriert und ansonsten mit dem Stress der Wirtschaft wenig zu tun hat, begegnet mir immer noch. Doch durch die zunehmende Professionalisierung von Nichtregierungsorganisationen agieren diese eher wie Unternehmen.

„Wer sich bei einer NGO bewirbt, der weiß, was auf ihn zukommt. Die Grenzen der Selbstausbeutung bestimmt man immer selbst“, sagt ein Interviewteilnehmer einer Studie* über Umwelt-NGOs. Klingt einfach, ist es aber nicht. Der Einsatz für „das Gute“ motiviert natürlich einerseits enorm – andererseits kann die emotionale Betroffenheit, die mit solchen Jobs oft einhergeht, dazu führen, dass die nötige professionelle Distanz fehlt. „Menschen treten vor allem aus innerer Überzeugung in diese Branchen“, so Sharon Oster, Professorin für Management und Unternehmensführung in Yale. Motivierte, idealistische und engagierte Menschen gelten als besonders Burn-out gefährdet.

biene

Dazu kommt: Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt führt zur Dauererreichbarkeit. Keine neue Erkenntnis; diese Probleme wurden vielfach diskutiert und viele Firmen reagieren darauf, etwa, indem sie Mitarbeiter*innen verbieten, Mails nach Feierabend zu lesen. Umwelt- oder Naturkatastrophen kennen aber kein Wochenende und keinen Feiertag, Kampagnen keine 40-Stunden-Woche und Social Media keinen Feierabend um 17 Uhr.

Wie geht man mit dieser Entgrenzung der Arbeit und schafft es, den Akku wieder aufzuladen?

Klar: Jeder Mensch ist anders und geht auch anders mit Stress um. Ein paar dieser Tipps können aber helfen, den Kopf frei zu bekommen und so wieder neue Energie zu bekommen, um die Welt weiter zu retten:

1.    Freie Zeiten einplanen
Dieser Tipp steht aus gutem Grund ganz oben: Weil er am wichtigsten und am schwersten einzuhalten ist. Aber man braucht Zeiten, in denen klar ist: Jetzt habe ich frei – egal, was passiert. Das hilft schon während stressiger Zeiten im Vorfeld, weil man schon Licht am Ende des Tunnels sieht, wenn man weiß: Bald steht ein langes Wochenende ohne Diensthandy an. Und dann sollte man es auch wirklich durchziehen. Kein Mails-checken im Urlaub, keine Twitter-Mitteilungen überprüfen, kein Blick auf Facebook-Kommentare.

2.    Andere Hobbies suchen
Oft sehe ich spannende Vorträge, Artikel oder Dokumentationen zu Feminismus, Umwelt oder Nachhaltigkeit. Zusätzlich zur Arbeit und gerade in Kampagnenhochphasen tut es aber auch extrem gut, einfach eine banale Zeitschrift zu lesen oder Serien zu gucken. Etwas, das thematisch nichts mit der Arbeit zu tun hat. Ein Hoch auf House of Cards und Gilmore Girls!

ballons

3.    Drüber lachen
Ein Punkt, für den man vor allem eins braucht: Ein gutes Team. Manche Arbeitssituationen sind so stressig, blöd und frustrierend, dass es nur noch eine Möglichkeit gibt: Zusammen mit den Kollegen zynisch sein, lachen und das Ganze nicht mehr ernst nehmen. Oft ist es am Ende dann doch „nur ein Job“.

4.    Den oder die richtigen Vorgesetzten haben
Der Lohn ist gerade bei NGOs kein Antrieb. Anerkennung aber schon. Klar, seine*n Vorgesetzten kann man sich meist nicht aussuchen. Wenn man aber (wie ich) Glück hat und drauf zählen kann, dass die Teamleitung oder Abteilungsleitung uneingeschränkt hinter einem steht und einem auch Auszeiten zugesteht, nimmt das viel von dem Druck, den man sich selber macht.

5.    Sachen sein lassen
Wohl jede*r hat das Idealbild, was man alles machen kann, alles machen sollte und natürlich auch den Anspruch, wie perfekt alles gemacht wird. Manchmal muss man seine Erwartungen aber auch ändern. Man kann sich nicht um alles in der Welt kümmern. Man kann auch mal Sachen nicht machen – und dafür andere mit Ruhe und Sorgfalt.

*Lesetipp: Köster, Viola: „Umwelt-NGOs. Über die Wirkungen und Nebenwirkungen ihrer Professionalisierung“, Berlin 2012

Modelabel und Atelier „Queen & Princess“

Ein Gastbeitrag von Sonia Shoukry

Jessica Reyes-Rodriguez ist Modedesignerin. Früher hat sie für Labels gearbeitet, die man in jeder Ladenkette in jeder Innenstadt findet. Zu ihrem Job gehörte es auch die Produktionsstätten im Ausland zu besuchen. Was sie dort allerdings zu sehen bekam, gefiel ihr ganz und gar nicht. Kinderarbeit, Textilien, die mit Pestiziden behandelt werden und natürlich ein enormer Wasserverbrauch. „Das muss doch anders gehen“, war ihr Gedanke dazu. Kurzerhand machte sie sich mit „Queen & Princess“ in Emsdetten selbstständig und siehe da: Es ging anders!

Wir diskutieren hier über Glyphosat, über karzinogene Stoffe, nehmen es aber in Kauf, dass in Indien und anderen Ländern, Menschen krank werden, weil sie eben krebserregende Pestizide für unsere Baumwolle benutzen. Wir haben hier ein Verbot von Kinderarbeit, nehmen es aber billigend in Kauf, dass im Ausland Kinder für unsere Mode arbeiten. Das ist ein bisschen schizophren.

Für ihr Label verwendet Jessica Reyes-Rodriguez ausschließlich Biobaumwolle mit dem Gütesiegel „GOTS“ (Global Organic Textile Standard). Bei diesen Textilien lässt sich per Zertifikat von der Saat bis zur fertigen Stoffrolle genau verfolgen, wer wann wie an der Produktion beteiligt war.

Bildschirmfoto 2016-09-06 um 07.19.56
Bild: Queens & Princess

Zu guter Letzt werden die Einkäufe dann zu einer Queen & Princess Kollektion verarbeitet. Dazu gehören Kleider, Blusen, Röcke etc. Und die sehen, im Gegensatz zur gängigen Meinung über Öko-Fashion, so gar nicht aus, wie ein Kartoffelsack, sondern eher klassisch und elegant.

Bei der fertigen Kollektion fängt der Spaß bei Queen and Princess allerdings erst so richtig an. Denn die Designerin setzt ihre Mode auch noch gekonnt in Szene, bei ihren Tea & Fashion Partys. Während Modelle die Stücke präsentieren, wird dazu Tee und selbstgemachtes Gebäck gereicht – natürlich Bio und sogar auf die Kollektion abgestimmt. Bei einem roten Kleid gibt es zum Beispiel einen roten Früchtetee. Dazu wird mit viel Charme über Nachhaltigkeit, die Modebranche und Modetricks informiert.

Natürlich kostet eine Bluse aus der Queen & Princess Kollektion mehr, als eine Bluse bei C&A. Aber mit diesem Aufpreis wird ein nachhaltiger Anbau der Baumwolle unterstützt, eine CO2-arme Produktion und  die Arbeit einer professionellen Designerin, statt eines Kinderarbeit. Und wir bestimmen mit unserem Portmonee ja immerhin wo die Reise in Zukunft hingeht!

10 Gründe, warum du einen Wettkampf laufen solltest

Gerade habe ich die Startunterlagen für den Halbmarathon am kommenden Sonntag abgeholt. Wenn ich erzähle, dass ich 21 oder 42 Kilometer am Stück laufen will, während andere gemütlich beim Brunch sitzen oder den Vormittag verkatert mit Netflix im Bett liegen (beides Dinge, die mir im Übrigen auch sehr gefallen), dann ernte ich meist etwas zwischen Verwunderung und Entsetzen. Warum ich mir das antue, werde ich gefragt, ob das nicht ungesund sei und dass ich mich doch lieber einfach aufs Sofa legen solle.

IMG_2142
Das Training am frühen Morgen wird mit diesem Blick belohnt.

Auch Lydia Krüger hat vor ein paar Tagen einen Artikel bei Edition F veröffentlicht, in dem sie sich fragt, warum sich so viele Menschen bei Wettkämpfen quälen. Sie spricht von „Leistungszwang und Selbstkasteiung“ sowie „wenig Spaß und Krampf“. Klar, es gibt die absolut nerdigen Fitnessfreaks, die von Wettkampf zu Wettkampf leben, sämtliche Körperfunktionen tracken, Kohlenhydrate grammgenau abwiegen, auf Schokolade und Alkohol verzichten und beim Thema Selbstoptimierung wenig Spaß verstehen. Das ist nicht meine Welt – das Laufen und gelegentliche Wettkämpfe aber sehr wohl. Warum? Weil das Laufen auch eine andere Sicht auf viele andere Lebensbereiche eröffnet und weil gerade Wettkämpfe sich doch von dem Freizeitjoggen unterscheiden. Dabei geht es nicht um neue Bestzeiten oder einen strafferen Hintern, sondern um diese Dinge:

  1. Genieße die Vorfreude
    Auch den kurzen Läufen geht meist wochenlanges Training voraus. In den letzten Tagen vor dem Lauf steigt die Vorfreude deswegen nicht nur auf den Laufevent an sich, sondern auch auf die entspannte Zeit danach, in der du einfach nur zum Spaß läufst – das gibt es nämlich tatsächlich auch.
  2. Erkunde neue Strecken
    Meist läufst du die immer gleiche Strecke. Durch Laufevents lernt man neue Städte quasi nebenbei kennen. Die Strecken führen entlang der schönsten Sehenswürdigkeiten und wenn du nicht in deiner Heimatstadt läufst, kannst du es gleich mit einem Urlaub verbinden.
  3. Du bist nicht allein
    Ich laufe generell sehr gern allein, um abschalten zu können. Bei Laufevents ist aber gerade die Masse an Mitläuferinnen und Mitläufern das, was das Durchhalten leichter macht. Sie haben den gleichen verdammt langen Weg vor sich und sie feuern dich an, wenn du aufgeben willst.
  4. Du lernst, deine Kräfte einzuteilen
    21 oder 42 Kilometer kann man nur schaffen, wenn man nicht gleich zu Anfang losrennt, sondern ein Tempo findet, das man die gesamte Zeit konstant halten kann. In stressigen Phasen hilft mir das oft, nicht panisch mit 150 Prozent Kraft loszulegen und in der Mitte zusammenzubrechen, sondern lieber bedächtiger und dafür mit Ausdauer zu handeln.
  5. Dir ist dein Aussehen egal
    Egal ob Regen oder Sonne: Eitelkeit ist fehl am Platz und es ist zumindest mir völlig egal. Ich laufe immer ungeschminkt, die Haare sind verschwitzt oder zerzaust oder beides. Und ja, man guckt angestrengt – dafür im Ziel aber sehr sehr glücklich.
  6. Allen anderen ist dein Aussehen egal
    Beim Laufen sind wir gleichberechtigt. Männer und Frauen zwängen sich in enge Synthetikkleidung, praktische bunte Schuhe und Kniestrümpfe. Männer mit langen Haaren tragen Haarbänder und kleben sich die Brustwarzen ab. Frauen tragen funktionale BHs ohne Rüschen oder Push-Up. Für ein paar Stunden sind Frauen befreit von unbequemen High Heels und „Lach doch mal, dann siehst du viel hübscher aus“-Sprüchen.
  7. Du kannst dir für dich passende Ziele setzen
    Es ist egal, ob es „nur“ 5 Kilometer sind oder gleich ein Marathon sein soll: Das Ziel an sich motiviert, regelmäßig zu laufen, auch wenn du gerade keine Lust hast oder es regnet. Und laufen kann jeder! Du kannst ganz klein anfangen, kurze Strecken wählen, Gehpausen einlegen und brauchst keine teure Ausrüstung.
  8. Irgendwann kommst du an
    Vom Laufen gelernt: Durchhalten ist viel einfacher, wenn du dir bewusst machst, dass du mit jedem Schritt der Ziellinie näher kommt. Auch das ist nicht nur beim Laufen so, sondern bei stressigen Bürotagen, Jobsuche, nerviger Grippe, Stau, Verspätungen: Am Ende wird alles gut.
  9. Enjoy the little things
    Am Ende eines langen Laufes sind es die kleinen Dinge, die glücklich machen: Ein kaltes Getränk, eine Banane, eine Dusche und frische Kleidung.
  10. Du bist stolz auf dich
    Klar, es ist anstrengend. Umso mehr kannst du stolz auf dich sein, wenn du es ins Ziel geschafft hast und die Medaille um deinen Hals gehängt wird. Das Leben wäre fad ohne Herausforderungen!