Hochzeitswahnsinn

Es gibt gefühlt 100.000 Bücher, Pinterestposts und Instastories über Hochzeiten und Hochzeitsvorbereitungen. Meist sind sie rosa illustriert und umfassen alle Klischees, die es rund um den „schönsten Tag im Leben“ gibt. Weil es offenbar Ziel jeder Frau ist, unter die Haube zu kommen und an dem Tag Prinzessin sein zu dürfen. Das klingt alles toll und nach Traumhochzeit.

Was das aber mit den Frauen macht, wird mir erst jetzt klar, wo ich selber in den Vorbereitungen stecke. Als ich den Termin zur Anprobe des Kleides machen wollte, hieß es gleich: „Dann dürfen Sie bis dahin aber nicht mehr abnehmen!“ Ich war ziemlich überrascht, weil ich davon gar nichts gesagt hatte. Gestern bei der Anprobe hab ich nachgefragt, ob es der Normalfall ist, dass Bräute zur Hochzeit abnehmen wollen. Die Schneiderin meinte, 95 % der Kundinnen wollen 5-6 Kilo abnehmen. Als ich nach 15 Minuten fertig war – nichts zu beanstanden, alles noch kurz abgesteckt und mit genug Spielraum in der Korsage, um Platz für Hochzeitstorte zu lassen), war sie total begeistert, weil meine Anprobe so einfach war. Die Kundin vor mir (die ich kurz noch gesehen habe; etwa 25 Jahre alt, 1,75 m groß und sicher nicht über 55 kg schwer) wäre drei Stunden zur Anprobe da gewesen. Die Mutter habe dauernd gesagt, wie schwabbelig sie an einigen Stellen sei und dass das Kleid die Problemzonen betonen würde. Man sähe die Falte an den Achseln (!!!). Die junge Frau habe weinend bei der Anprobe gestanden und die Schneiderin hat die Anprobe dann abgebrochen, weil sie die Situation einfach nicht mehr ertragen konnte und die Braut erlösen wollte.

Wenn man weiter auf Instagram und Pinterest nach Hashtags zum Thema Hochzeit guckt, findet man unzählige Diätratgeber und Anweisungen, wie man in Form kommt. Yay, damit man dann weinend sein Kleid ändern lassen muss, weil man es nicht geschafft hat, genug abzunehmen? Oder später die Bilder ansieht und denkt: Geil, für ein paar Wochen war ich dünn und sah so aus, wie ich vorher und nachher nicht aussehe? What the hell??
Der Bräutigam hat übrigens in dieser Welt genau 2 Aufgaben: Den Antrag machen und sich beim Junggesellen-Abschied mal so richtig abzuschießen. Danach ist der Spaß ja vorbei, während ich von vielen Frauen nach der Hochzeit höre: Juhu, endlich darf ich wieder essen.

Nachhaltigkeit fängt bei uns selbst an

Ich arbeite seit sechs Jahren Vollzeit im NGO-Bereich. Inklusive Überstunden, Wochenend-Bereitschaft und Dienstreisen. Wie schafft man es, in einem Job abzuschalten, der auch Lebensinhalt ist?

Das Klischee, nach dem Arbeiten in sozialen Organisationen heißt, im Wollpullover zur Arbeit zu kommen und sein Hobby zum Beruf zu machen, in dem man hauptberuflich demonstriert und ansonsten mit dem Stress der Wirtschaft wenig zu tun hat, begegnet mir immer noch. Doch durch die zunehmende Professionalisierung von Nichtregierungsorganisationen agieren diese eher wie Unternehmen.

„Wer sich bei einer NGO bewirbt, der weiß, was auf ihn zukommt. Die Grenzen der Selbstausbeutung bestimmt man immer selbst“, sagt ein Interviewteilnehmer einer Studie* über Umwelt-NGOs. Klingt einfach, ist es aber nicht. Der Einsatz für „das Gute“ motiviert natürlich einerseits enorm – andererseits kann die emotionale Betroffenheit, die mit solchen Jobs oft einhergeht, dazu führen, dass die nötige professionelle Distanz fehlt. „Menschen treten vor allem aus innerer Überzeugung in diese Branchen“, so Sharon Oster, Professorin für Management und Unternehmensführung in Yale. Motivierte, idealistische und engagierte Menschen gelten als besonders Burn-out gefährdet.

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Dazu kommt: Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt führt zur Dauererreichbarkeit. Keine neue Erkenntnis; diese Probleme wurden vielfach diskutiert und viele Firmen reagieren darauf, etwa, indem sie Mitarbeiter*innen verbieten, Mails nach Feierabend zu lesen. Umwelt- oder Naturkatastrophen kennen aber kein Wochenende und keinen Feiertag, Kampagnen keine 40-Stunden-Woche und Social Media keinen Feierabend um 17 Uhr.

Wie geht man mit dieser Entgrenzung der Arbeit und schafft es, den Akku wieder aufzuladen?

Klar: Jeder Mensch ist anders und geht auch anders mit Stress um. Ein paar dieser Tipps können aber helfen, den Kopf frei zu bekommen und so wieder neue Energie zu bekommen, um die Welt weiter zu retten:

1.    Freie Zeiten einplanen
Dieser Tipp steht aus gutem Grund ganz oben: Weil er am wichtigsten und am schwersten einzuhalten ist. Aber man braucht Zeiten, in denen klar ist: Jetzt habe ich frei – egal, was passiert. Das hilft schon während stressiger Zeiten im Vorfeld, weil man schon Licht am Ende des Tunnels sieht, wenn man weiß: Bald steht ein langes Wochenende ohne Diensthandy an. Und dann sollte man es auch wirklich durchziehen. Kein Mails-checken im Urlaub, keine Twitter-Mitteilungen überprüfen, kein Blick auf Facebook-Kommentare.

2.    Andere Hobbies suchen
Oft sehe ich spannende Vorträge, Artikel oder Dokumentationen zu Feminismus, Umwelt oder Nachhaltigkeit. Zusätzlich zur Arbeit und gerade in Kampagnenhochphasen tut es aber auch extrem gut, einfach eine banale Zeitschrift zu lesen oder Serien zu gucken. Etwas, das thematisch nichts mit der Arbeit zu tun hat. Ein Hoch auf House of Cards und Gilmore Girls!

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3.    Drüber lachen
Ein Punkt, für den man vor allem eins braucht: Ein gutes Team. Manche Arbeitssituationen sind so stressig, blöd und frustrierend, dass es nur noch eine Möglichkeit gibt: Zusammen mit den Kollegen zynisch sein, lachen und das Ganze nicht mehr ernst nehmen. Oft ist es am Ende dann doch „nur ein Job“.

4.    Den oder die richtigen Vorgesetzten haben
Der Lohn ist gerade bei NGOs kein Antrieb. Anerkennung aber schon. Klar, seine*n Vorgesetzten kann man sich meist nicht aussuchen. Wenn man aber (wie ich) Glück hat und drauf zählen kann, dass die Teamleitung oder Abteilungsleitung uneingeschränkt hinter einem steht und einem auch Auszeiten zugesteht, nimmt das viel von dem Druck, den man sich selber macht.

5.    Sachen sein lassen
Wohl jede*r hat das Idealbild, was man alles machen kann, alles machen sollte und natürlich auch den Anspruch, wie perfekt alles gemacht wird. Manchmal muss man seine Erwartungen aber auch ändern. Man kann sich nicht um alles in der Welt kümmern. Man kann auch mal Sachen nicht machen – und dafür andere mit Ruhe und Sorgfalt.

*Lesetipp: Köster, Viola: „Umwelt-NGOs. Über die Wirkungen und Nebenwirkungen ihrer Professionalisierung“, Berlin 2012

10 Gründe, warum du einen Wettkampf laufen solltest

Gerade habe ich die Startunterlagen für den Halbmarathon am kommenden Sonntag abgeholt. Wenn ich erzähle, dass ich 21 oder 42 Kilometer am Stück laufen will, während andere gemütlich beim Brunch sitzen oder den Vormittag verkatert mit Netflix im Bett liegen (beides Dinge, die mir im Übrigen auch sehr gefallen), dann ernte ich meist etwas zwischen Verwunderung und Entsetzen. Warum ich mir das antue, werde ich gefragt, ob das nicht ungesund sei und dass ich mich doch lieber einfach aufs Sofa legen solle.

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Das Training am frühen Morgen wird mit diesem Blick belohnt.

Auch Lydia Krüger hat vor ein paar Tagen einen Artikel bei Edition F veröffentlicht, in dem sie sich fragt, warum sich so viele Menschen bei Wettkämpfen quälen. Sie spricht von „Leistungszwang und Selbstkasteiung“ sowie „wenig Spaß und Krampf“. Klar, es gibt die absolut nerdigen Fitnessfreaks, die von Wettkampf zu Wettkampf leben, sämtliche Körperfunktionen tracken, Kohlenhydrate grammgenau abwiegen, auf Schokolade und Alkohol verzichten und beim Thema Selbstoptimierung wenig Spaß verstehen. Das ist nicht meine Welt – das Laufen und gelegentliche Wettkämpfe aber sehr wohl. Warum? Weil das Laufen auch eine andere Sicht auf viele andere Lebensbereiche eröffnet und weil gerade Wettkämpfe sich doch von dem Freizeitjoggen unterscheiden. Dabei geht es nicht um neue Bestzeiten oder einen strafferen Hintern, sondern um diese Dinge:

  1. Genieße die Vorfreude
    Auch den kurzen Läufen geht meist wochenlanges Training voraus. In den letzten Tagen vor dem Lauf steigt die Vorfreude deswegen nicht nur auf den Laufevent an sich, sondern auch auf die entspannte Zeit danach, in der du einfach nur zum Spaß läufst – das gibt es nämlich tatsächlich auch.
  2. Erkunde neue Strecken
    Meist läufst du die immer gleiche Strecke. Durch Laufevents lernt man neue Städte quasi nebenbei kennen. Die Strecken führen entlang der schönsten Sehenswürdigkeiten und wenn du nicht in deiner Heimatstadt läufst, kannst du es gleich mit einem Urlaub verbinden.
  3. Du bist nicht allein
    Ich laufe generell sehr gern allein, um abschalten zu können. Bei Laufevents ist aber gerade die Masse an Mitläuferinnen und Mitläufern das, was das Durchhalten leichter macht. Sie haben den gleichen verdammt langen Weg vor sich und sie feuern dich an, wenn du aufgeben willst.
  4. Du lernst, deine Kräfte einzuteilen
    21 oder 42 Kilometer kann man nur schaffen, wenn man nicht gleich zu Anfang losrennt, sondern ein Tempo findet, das man die gesamte Zeit konstant halten kann. In stressigen Phasen hilft mir das oft, nicht panisch mit 150 Prozent Kraft loszulegen und in der Mitte zusammenzubrechen, sondern lieber bedächtiger und dafür mit Ausdauer zu handeln.
  5. Dir ist dein Aussehen egal
    Egal ob Regen oder Sonne: Eitelkeit ist fehl am Platz und es ist zumindest mir völlig egal. Ich laufe immer ungeschminkt, die Haare sind verschwitzt oder zerzaust oder beides. Und ja, man guckt angestrengt – dafür im Ziel aber sehr sehr glücklich.
  6. Allen anderen ist dein Aussehen egal
    Beim Laufen sind wir gleichberechtigt. Männer und Frauen zwängen sich in enge Synthetikkleidung, praktische bunte Schuhe und Kniestrümpfe. Männer mit langen Haaren tragen Haarbänder und kleben sich die Brustwarzen ab. Frauen tragen funktionale BHs ohne Rüschen oder Push-Up. Für ein paar Stunden sind Frauen befreit von unbequemen High Heels und „Lach doch mal, dann siehst du viel hübscher aus“-Sprüchen.
  7. Du kannst dir für dich passende Ziele setzen
    Es ist egal, ob es „nur“ 5 Kilometer sind oder gleich ein Marathon sein soll: Das Ziel an sich motiviert, regelmäßig zu laufen, auch wenn du gerade keine Lust hast oder es regnet. Und laufen kann jeder! Du kannst ganz klein anfangen, kurze Strecken wählen, Gehpausen einlegen und brauchst keine teure Ausrüstung.
  8. Irgendwann kommst du an
    Vom Laufen gelernt: Durchhalten ist viel einfacher, wenn du dir bewusst machst, dass du mit jedem Schritt der Ziellinie näher kommt. Auch das ist nicht nur beim Laufen so, sondern bei stressigen Bürotagen, Jobsuche, nerviger Grippe, Stau, Verspätungen: Am Ende wird alles gut.
  9. Enjoy the little things
    Am Ende eines langen Laufes sind es die kleinen Dinge, die glücklich machen: Ein kaltes Getränk, eine Banane, eine Dusche und frische Kleidung.
  10. Du bist stolz auf dich
    Klar, es ist anstrengend. Umso mehr kannst du stolz auf dich sein, wenn du es ins Ziel geschafft hast und die Medaille um deinen Hals gehängt wird. Das Leben wäre fad ohne Herausforderungen!

10 Wörter, die ich nicht mehr lesen oder hören will

Falle, Kampf, Sünde – viele Begriffe in Bezug auf unsere Ernährung klingen nicht danach, als wolle man seinem Körper mit Essen etwas Gutes tun, sondern als müsse man ihn besiegen. Gerade in Fitness- und Frauenzeitschriften tobt der Krieg gegen Kalorien und Kilos auf absurde Weise.

Wörter beeinflussen jedoch unser Denken und Handen. Und sie können subtil manipulieren:

Oft jedoch bekommen wir den Einfluss der Worte gar nicht mit. Deshalb kann man uns so gut manipulieren, mit Marketing zum Beispiel. Studien ergaben, dass allein die Beschreibung von Lebensmitteln das Geschmackserlebnis beeinflussen kann: Gebäck schmeckt besser, wenn es laut Speisekarte nach einem »Rezept der Großmutter« gebacken oder »traditionell« erzeugt wurde. (Quelle: Zeit online)

Das gilt natürlich auch für negative Begriffe – und gerade Metaphern haben eine große Wirkung. Durch viele dieser Begriffe, die in Zusammenhang mit Ernährungstipps fallen, werden Körper herabgestuft. Die zehn schlimmsten habe ich für euch zusammengefasst – auf weitere in den Kommentaren bin ich gespannt. Dann mal los:

1. Snack-Fallen/Essfalle/Fettfalle

Früher jagte man das Essen, nun scheint eine Gefahr davon auszugehen – die Nahrung stellt uns Fallen. Verrückt.

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Diätratgeber warnen vor diesen Situationen: Feste, Urlaub, Feiertage. Als ob ein paar Tage im Jahr Völlerei unser Gewicht bedrohen würden.

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3. Kilokampf

Vorrangig verwendet im Zusammenhang mit dem „Jojo-Effekt“ und den „störenden“ zwei oder drei Kilo, die von den Idealmaßen trennen.

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4. Figurfreundlich

Synonym für kalorienarm. Was bei näherem Hinsehen eigentlich auch nicht besser klingt.

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5. Ernährungssünde

Klingt verrucht. Wer möchte: Hier entlang.

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6. Kalorienkonto

Ausnahmsweise mal ein Konto, bei dem Ins-Minus-Rutschen vorgesehen ist.

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7. Kalorienbombe

Klingt zerstörerisch, obwohl vermutlich etwas leckeres wie Kuchen, Käse oder Karamell gemeint ist.

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8. Bikinifigur/ beach body

Dazu kann ich nur zitieren: „How to get a beach body? Take your body to the beach.“

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9. Pralinenfriedhöfe

Ernsthaft?! Das weckt ja schon Todesassoziationen.

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10. Purzeln die Pfunde

Das ist so „Bild-der-Frau“-Klischee, das es fast weh tut.

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(Gifs: http://giphy.com/ und http://www.reactiongifs.com)

 

Zu dick für Schokolade?

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Meine Schokoladensucht dürfte bekannt sein. Ich komme nicht davon runter – will ich aber auch nicht. Trotzdem kommt es hin und wieder vor, dass ich Sätze fallen lasse wie „Ich kann nicht damit aufhören“, wenn ich auf der Arbeit schon wieder ein Stück aus dem Bürovorrat stibitze oder „Ich habe gestern eine ganze Tafel verdrückt.“, wenn mich das schlechte Gewissen wegen zu viel Zucker plagt. Die Reaktion darauf ist in den meisten Fälle diese: „Mit deiner Figur kannst du es dir ja leisten.“ Das ist absurd. Mit welcher könnte ich es mir denn nicht leisten? Mit 5 Kilo mehr? Mit 10 Kilo? Mit 15?

Die Häufigkeit dieser Antwort ist erstaunlich und erinnert an das Quiz Familienduell: „Wir haben 100 Leute gefragt,…“. Davon antworten rund 80 – davon in der Regel hauptsächlich Frauen – mit dem diesem oder ähnlichen Sätzen. Muss man sich für den Konsum von Schokolade rechtfertigen? Und warum hängt es vom Gewicht ab, was man essen darf und was nicht? Eigentlich sollte doch nur die Schokolade selbst ins Gewicht fallen: Zuviel ist einfach nicht gesund – egal, wie viel oder wenig man wiegt.

Kathrin Weßling hat kürzlich auf Mit Vergnügen Hamburg einen wunderschönen Text darüber geschrieben, dass es oft und gerade Frauen sind, die andere Frauen kritisch beäugen:

Aber ich erinnerte mich an all die Male, in denen Freundinnen, Kolleginnen, Bekannten die schärfsten Worte über andere Mädchen über die Lippen gingen. Worte, die gehässig waren. Worte wie: „Alter, wenn ich so eine Figur hätte, würde ich nicht so einen Rock tragen.“

Ich habe mich ertappt gefühlt. Obwohl ich in einer Welt groß wurde, in der es noch keine #Bikinibridge oder #Oberschenkellücke gab, schießt auch mir immer mal wieder dieser Gedanke durch den Kopf. Bis mir wieder bewusst wird, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Es ist mutig, mit einem nicht „perfekten“ Körper (wer auch immer das definiert), alles zu tragen – und zu essen – mit dem man sich wohlfühlt. Und ich weiß nicht, ob ich selbst den Mut dazu hätte, wenn ich wirklich übergewichtig wäre.

Ich bin mit meiner Figur zufrieden und dank guter Gene, einem hohem Bewegungsdrang und etwas Disziplin fällt es mir nicht so schwer, sie trotz täglichem Kakaokonsum zu halten. Und obwohl ich mich, seit ich 16, bin zwischen Kleidergröße 32 und 36 bewege, musste ich mir oft Sprüche anhören. Den einen war ich zu dick, den anderen zu dünn.
Als ich mit 17 Jahren durch die Pubertät zunahm und 52 Kilogramm wog, hieß es, ich hätte „ganz schön zugelegt“ und bekam Tipps, welche Oberteile meinen Bauch kaschieren.
Als ich mich von meinem ersten Freund trennte und aus Liebeskummer drei Kilo abnahm, bekam ich Komplimente – statt Anteilnahme.
Ein Mann sagte mir beim ersten Date, wenn ich Schokolade direkt nach dem Frühstück essen würde, mache sie weniger dick.
Ein Ex-Kollege fragte, ob ich magersüchtig sei, weil ich nicht mit zum Mittagessen gehen wollte.
Es hat lange gedauert, über solchen Sprüchen zu stehen. Ich nehme sie mir nicht mehr zu Herzen, aber sie nerven mich noch immer. Weil sie Druck ausüben, ein falsches Bild vermitteln und ein ungesundes Verhältnis zum eigenen Körper vermitteln.
Und wenn die Kathrin mit diesem Aufruf schließt:

Vergesst das nicht, wenn ihr das nächste Mal vorm Spiegel steht und denkt, ihr „dürftet“ keine kurzen Kleider und Hosen tragen, obwohl es 30 Grad draußen sind. Ihr dürft. Aber sowas von. Denn die Wahrheit ist: Dieses Monster sitzt nur im Kopf. Und es hat noch nie zu irgendwas geführt, außer zu Tagen in viel zu warmen Hosen und zu dem Gefühl, dass sich selber zu hassen normaler ist, als sich selber zu mögen.

Dann will ich appellieren: Macht den Mädels Komplimente, wenn sie sich was trauen, wenn sie essen, worauf sie Lust haben und wenn sie tragen, was sie schön finden.