#Elternzeit: Ein paar Gedanken zur Arbeit

Gesetzlich sind 14 Monate „bezahlte“ Elternzeit vorgesehen, wenn sich Eltern diese Monate so aufteilen, dass eine*r mindestens 2 Monate übernimmt. Verzichtet eine*r, gibt es nur 12. In der Praxis führt das in den meisten Fällen dazu, dass Männer die 2 Gratismonate nehmen und zusammen mit der Frau zuhause bleiben. Mich überrascht, wie sehr das sogar in meinem Umfeld so gehandhabt wird, in dem es viele sehr gut ausgebildete Frauen gibt. Eine kleine Minderheit blieb weniger als 1 Jahr zuhause und ging wieder arbeiten, und selbst dann nicht Vollzeit. Wenn ich frage, warum ihre Freunde oder Männer nicht auch einen großen Teil übernehmen, heißt es: „Das geht beruflich nicht“, „Ich will lieber selbst zuhause bleiben“ oder „Er bleibt ja den 1. Monat da“. Die Folge sind in der Regel für die Frauen: weniger Gehalt, weniger Karriere, weniger Rente.

Ich sage nicht, dass man den Fokus auf Geld legen sollte, aber warum können nicht beide Elternteile für das Kind da sein und ein bisschen im Beruf zurückstecken? Die Gründe liegen zum Teil in der Politik und bei den Arbeitgebern: Das Ehegattensplitting fördert das Alleinverdienermodell, es gibt kein Recht auf Rückkehr zur Vollzeit nach der Elternzeit (wenn man danach erstmal reduzieren will), es fehlt an vielerorts Ganztagsbetreuung und in den meisten Firmen an flexiblen Homeofficemöglichkeiten – vor allem aber ist es der Standard, das eben die Frau zuhause bleibt und als männlicher Arbeitnehmer muss man sich bei konservativen Arbeitgebern rechtfertigen, wenn man mehr als 2 Monate nimmt. Aber genauso liegt es bei den Frauen selbst: Viele trauen es dem Mann nicht zu und wollen die Babybetreuung selbst übernehmen.
Oft kommt dann das Argument, das müssten die Frauen ja selber wissen, es wäre ja die freie Wahl – und damit ja selbstbestimmt und feministisch. Wie die oben genannten Gründe zeigen, ist das aber nicht so. Und wenn: Diese Mehrzahl der konservativen Modelle macht es für andere Frauen erheblich schwerer, als Arbeitnehmerin ernst genommen zu werden. Weil man ab dem Zeitpunkt der Schwangerschaft in der Mamaschublade landet. Ich kenne ein paar Frauen, die mir gesagt haben, sie wollten damals schnell zurück in den Job und am Anfang mussten sie ihr komplettes Gehalt an die Tagesmutter weitergeben, weil es noch kein Elterngeld und wenige Kitas gab. Keine der Frauen hat das bereut, weil sie sich damals Eigenständigkeit bewahrt haben und heute einen guten Job haben.
Meine Stelle wurde gerade ausgeschrieben (ich mache 2 Monate Mutterschutz, die Elternzeit teilen mein Mann und ich je zur Hälfte) und mir fällt es trotz Vorfreude auf unser Baby wirklich sehr schwer, die Arbeit für (gefühlt) so lange Zeit zu verlassen. Ich arbeite gerne und habe tolle Kolleg*innen und genieße auch die Freiheit, die mir die Arbeit gibt. Nicht nur finanziell, sondern auch die Möglichkeit, mich kreativ auszuleben und mit dem, was ich täglich mache, auch zu einem Teil die Welt zu verbessern. Zeitgleich freue ich mich, dass mein Mann mich so unterstützt und so ein toller Mensch ist. Warum sollte das Baby nicht auch viel von ihm haben?
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15 Wochen wilder Körper – ein Zwischenstand der Schwangerschaft

Hier sitze ich jetzt, esse zum x. Mal Nudeln mit Bolognese und schreibe diesen Artikel. Ich mag weder Nudeln noch Bolognese besonders gern, aber seit ich schwanger bin, sind meine beiden Lieblingsgerichte Lasagne und Nudeln mit Soße. Immerhin ist die Phase überstanden, in der ich wild auf gebratene Zwiebeln war.

Es ist fucking verrückt, was mit (m)einem Körper passiert, wenn man schwanger ist. Von der ersten Sekunde an war ich müde, müde, müde. Wenn ich wach war, war mir schlecht. Meine Brüste sind innerhalb weniger Wochen um eine ganze Körbchengröße auf D angewachsen und spannten. Obwohl ich sehr sportlich bin, schaffe ich die Treppe in den 3. Stock nicht mehr ohne Pause und japsen. Kein Wunder: Vor allem in den ersten Wochen, wenn man äußerlich kaum was sieht, leistet der Körper Unglaubliches. Schwangerschaftsapps zeigen im Verlauf der einzelnen Wochen, wie sich das Baby entwickelt. Oft lese ich die neuen Entwicklungen und denke: Das ist doch unmöglich – niemals kann aus diesem winzigen Zellhaufen in ein paar Wochen ein Embryo mit einem schlagenden Herzen werden! Im Grunde ist nach den ersten 3 Monaten alles da, was einen fertigen Menschen ausmacht, selbst Fingernägel sind schon vorhanden.

Gerade deswegen sind diese ersten Wochen für mich und viele andere Schwangere ein Auf und Ab der Gefühle – und das wird durch das Hormonchaos nicht besser. In der SZ gibt es eine regelmäßige Kolumne einer Hebamme. In einer dieser Folgen geht es um die Schwangerschaft. Sie fasst vor allem diese ersten 12 Wochen toll zusammen:

Ich denke mir oft, dass in Wahrheit die ersten Wochen die anstrengendsten sind, nicht die letzten. Diese nie gekannte Müdigkeit, die Übelkeit, die Geheimniskrämerei dem Arbeitgeber und den Freunden gegenüber, die jede bestellte Maracuja-Schorle mit einem Inspektor-Columbo-Blick quittieren. Die Ungewissheit, wie alles kommen wird, die Angst, das Kind doch noch zu verlieren. Unter der Vorgaukelung vollkommener Normalität so weiterzuleben wie bisher, obwohl in einem drin die Post abgeht: irre eigentlich.

Ich bin heilfroh, dass bei mir endlich die Übelkeit nachgelassen hat und noch mehr, dass die ersten kritischen Wochen überstanden sind. Endlich kann ich mich aufs Baby freuen und nicht mehr bei jedem Gang auf die Toilette schauen, ob doch Blutungen eingesetzt haben. Und bis auf die anhaltende Müdigkeit habe ich bisher zum Glück eine komplikationslose Schwangerschaft. Viele meiner Freundinnen hatten das nicht; sie duften nicht mehr arbeiten gehen, hatten Blutungen oder mussten sich wochenlang übergeben und konnten nichts bei sich behalten. Manche nahmen in dieser Zeit bis zu 10 Kilogramm ab. Mich wundert, warum Schwangerschaften oft so glorifiziert werden. Natürlich ist eine Schwangerschaft keine Krankheit, aber sie ist eine körperliche Höchstleistung für Frauen. Ich verstehe nicht, warum dann oft erwartet wird, man müsse vor Glück überschäumen, obwohl man Wassereinlagerungen, Verstopfung, Sodbrennen, schmerzende Brüste und Rückenschmerzen hat.

Ich glaube, viele Frauen trauen sich nicht, das öffentlich zuzugeben, weil sie Angst haben, den Rabenmutter-Stempel aufgedrückt zu bekommen. Nur anderen Frauen gegenüber gestehen sie, dass sie Alkohol vermisst haben, ihren Körper wieder für sich haben wollten und unter den Nebenerscheinungen gelitten haben. (Mein Mann trinkt übrigens aus Solidarität die ganze Schwangerschaft über auch keinen Alkohol – was ihm wesentlicher leichter fällt als mir. Als wir das erzählt haben, bekamen wir verwunderte Reaktionen. Keiner der anderen Männer zog das für sich auch nur in Betracht. Und noch nie habe ich gehört, dass eine Schwangere Bewunderung dafür bekommen hat, dass sie von einem Tag auf den anderen die gesamte Schwangerschaft und oft auch noch die Stillzeit auf Alkohol, Zigaretten, Kaffee, weiche Eier, Weichkäse, Sushi, Wurst, Steak usw. verzichtet.)

Auch wenn ich also mit der Schwangerschaft manchmal hadere, hat das nichts mit dem Baby zu tun. Es ist ein Wunschbaby, und auch weil es absurd schnell geklappt hat, habe ich manchmal das Gefühl: Das Baby will auch unbedingt zu uns. Bei Edition F hatte ich noch vor 2 Jahren darüber geschrieben, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich mal Kinder will. Auch wenn viele der Bedenken nicht ganz ausgeräumt sind (oder sicherlich eintreffen werden), wuchs im letzten Jahr der Wunsch nach einem Baby und die Überzeugung: Wir schaffen das schon. Das Wir meine ich wörtlich, denn mein Mann will sich genau so um das Baby kümmern wie ich und nimmt 6 Monate Elternzeit. Er ist liebevoll, geduldig und ich bin fest überzeugt, dass er ein guter Vater wird. Und dass ich eine gute Mutter werde, glaube ich auch von mir und allen anderen Schwangeren, auch wenn sie die 9 Monate nicht genießen können. Meine Hochachtung haben sie trotzdem. Denn, wie es Quarkspeise auf Twitter formulierte:

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„Das Leben beginnt nicht mit drei Kilo weniger“

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Schon mal was von „Cankles“ gehört? Die Wortschöpfung aus Wade (englisch: calf) und Knöchel (ankle) bezeichnet den Schönheitsmakel einer dicken Fessel. Ganz schön kreativ, diese Frauenzeitschriften, wenn es darum geht, uns einzureden, dass wir definitiv noch Verbesserungspotenzial haben.

Corinne Luca nimmt in ihrem ersten Buch Am liebsten sind mir die Problemzonen, die ich noch gar nicht kenne auf sehr amüsante Weise dieses ernstes Thema auseinander: Welches Bild vermitteln uns Frauenzeitschriften über Frauen? Die Antwort kann ich vorwegnehmen: Eins, das auf perfektes Aussehen reduziert ist. An langen Wimpern, straffen Schenkeln und glänzendem Haar hängt jetzt unser Lebensglück. Und wenn diese Problemzonen bearbeitet sind, suchen sich die Zeitschriften neue, zu optimierende Körperstellen. Wir sollen unsere Achseln aufhellen, unsere Schamlippen operieren oder unsere Beine dünner schminken.

„Schönheit wird zu einem Projekt, an dem wir auch scheitern können“, schreibt Luca. Selbst schuld also, wenn du nicht diszipliniert genug bist oder nicht genug Geld investierst, damit du „sexy“, „atemberaubend“ oder „heiß“ bist. Corinne Luca zitiert oft aus Frauenzeitschriften und man weiß manchmal nicht, ob man lachen oder weinen soll. Was sie selbst beim Schreiben bewegt hat, hat sie mir für meinen Blog beantwortet.

Wie kam dir die Idee zu dem Buch?

Auf meinem Blog schaue ich schon eine Weile immer mal belustigt bis kritisch auf das, was von Frauen so aussehens- und verhaltenstechnisch erwartet wird. Ich habe mich riesig gefreut, dass es mit dem Buch geklappt hat, weil ich glaube, dass es in dieser langen Form noch ein bisschen mehr Sinn macht. In einem Blogpost kann man punktuell sagen, was schräg ist. Im Buch konnte ich die Hintergründe erklären, was die Zeitschriften und die Industrie nämlich eigentlich davon haben, wenn wir alle ein bisschen unsicherer sind.
Wie viele Zeitschriften hast du insgesamt gelesen und ausgewertet?
Vor genau einem Jahr im September habe ich angefangen zu schreiben und dann zwei Monate lang das Zeitschriftenregal leer gekauft. Ich würde sagen, 90 Prozent der Beispiele stammen aus diesen beiden Monaten. Ich war selbst überrascht, dass es so gut funktioniert hat, also mehr überrascht, wie viel Quatsch man immer noch in jeder einzelnen Zeitschrift findet. Ich wollte nämlich nicht das Buch mit Beispielen füllen, die ich über Jahre mühsam zusammengesammelt habe. Denn die komischen Botschaften sind schon ziemlich allgegenwärtig.
Was ist der absurdeste Beautytipp, der dir bei der Recherche aufgefallen ist?
Mein Favorit ist immer noch, die Kiwi mit Schale zu essen, weil die 2g Ballaststoffe mehr irgendetwas für die Fettverbrennung tun. Wie man so etwas in den Druck geben kann, ohne dass es bei einem selbst klingelt, ist mir schleierhaft. Aber es sagt eben auch etwas darüber aus, wie man seine Leserinnen sieht.
Auch in den von dir kritisierten Zeitschriften wird vermehrt das Thema Body Positivity aufgegriffen. Glaubst du, das Frauenbild ändert sich langsam?
Klar ändert sich langsam etwas am Frauenbild. Was mir bei dem Buch aber aufgefallen ist, ist dieses: Ich glaube, wir neigen dazu, weil wir uns viel im Internet bewegen und Instagramaccounts folgen, die es anders machen oder Blogs lesen, die kritisch sind, zu denken, dass wir schon weiter sind. Und dann schreiben wir Texte, dass uns mittlerweile auch Body Positivity nervt. Im Fernsehen, in den Zeitschriften, auf den großen Onlineportalen ist aber noch vieles beim Alten. Die berichten dann vielleicht neu über Influencerinnen, aber die sind auch jung, blond, langhaarig und langbeinig und unterscheiden sich in der Perfektion eigentlich kaum von einem Modell der 90er. Und, darum geht es ja auch im Buch, oft sind die paar Streusel „Anderssein“ nur ein Feigenblatt.
Hat sich dein eigenes Verhalten durch das Schreiben des Buches verändert?
Ich würde sagen, ich habe selbst eine Entwicklung durchlaufen. Als Teenie bis Anfang meiner Zwanziger habe ich viel von diesen Sachen gelesen, dann kam bei mir eine Antihaltung und ich habe zum Beispiel lange Zeit auch aus Prinzip kein Make-Up getragen. Dabei habe ich aber gemerkt, dass ich schon einen Teil meiner Persönlichkeit beschränke und das ist doch blöd. Genau darum geht es mir auch in dem Buch und deshalb endet es mit dem Ruf nach dem Finden der eigenen Schönheitsgeschichte. Sich schön machen und schön fühlen ist eben sehr belastet – mit Ansprüchen, die man nicht erfüllen kann und Verdammung in die andere Richtung. Ich glaube, wir sollten hier versuchen, uns das Ganze wieder zurückzuerobern und die ganzen Bedeutungen von außen einfach in die Tonne treten.
Danke für das Gespräch, Corinne!

#FrauFlieder

Ich habe vor Kurzem geheiratet. Die Frage, die mir oft vor der Hochzeit gestellt wurde: Behälst du deinen Namen? Vor 10, 20 Jahren hätte das vermutlich gar nicht zur Diskussion gestanden. Da war klar: Die Frau nimmt den Namen des Mannes an. Egal, ob frau danach statt „Sonnenschein“ „Kryzinzikomski“ heißt oder einen Nachnamen bekommt, der sich mit ihrem Vornamen schlimm beißt. Insofern freute ich mich über die freie Entscheidung.

Am 1. April 1994 trat das neue Familiennamensrechtgesetz in Kraft. Seitdem müssen sich Verlobte nicht mehr für einen gemeinsamen Ehenamen entscheiden und können  gleichberechtigt darüber diskutieren, wie sie nach der Trauung heißen möchten. Über 90 Prozent entscheiden sich dabei für den Namen des Mannes. 

In meinem Umfeld gibt es viele Frauen, die ihren Namen behalten haben. Das liegt daran, dass die meisten die 50er Jahre weit hinter sich gelassen haben, sich im Beruf im wahrsten Sinne des Wortes einen Namen gemacht haben und diesen nicht eintauschen wollen und/oder den Namen als Teil ihrer Identität empfinden. Das kann ich nachvollziehen. Mein Blog heißt nunmal sarawesterhaus.com und kann auch nicht einfach umbenannt werden. Wenn man „Sara Westerhaus“ googelt, findet man alle Artikel, die ich in den letzten Jahren – fast Jahrzehnten – geschrieben habe. Warum sollte ich das aufgeben? Und ist das nicht unfeministisch?

Einige Freundinnen und Bekannte nahmen nach der Hochzeit den Namen des Mannes an, obwohl sie als Familiennamen eigentlich ihren Namen lieber gehabt hätten. In diesen Fällen war es dann aber fast immer der Mann, der dagegen war („Weil man das eben so macht“). Manche nahmen den Namen auch selbst einfach so an, ohne groß darüber nachzudenken. Beides finde ich sehr schade.

Neben der Statistik und den Erfahrungen im Freundeskreis zeigt auch die Recherche in Foren: Wirklich angekommen ist die Gleichberechtigung in den Köpfen noch nicht. Und das gilt auch für Frauen, die es als „unmännlich“ ansehen, wenn der Mann den Namen der Frau annimmt:

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Warum dann #FrauFlieder?

Persönlich kann ich nur sagen, ein „neuer“ gemeinsamer Familienname macht für mich den Schritt in eine eigene Familie deutlich, deswegen bin ich für den gleichen Nachnamen. In meinem Fall gewann der Name des Mannes, weil er a) einfach schöner ist und b) weil außer mir und meinem Vater niemand in der Familie meinen alten Namen trägt (wegen neuer Ehen und weil ich Einzelkind bin). Ich fand es aber auch etwas mühsam, dass ich das vor meinen feministischen Freunden rechtfertigen musste, denn die Entscheidung war lange überlegt und hatte ja gute Gründe.

Wie ist es nun, ein paar Wochen mit dem neuen Namen? Es ist schön, aber auch neu und ungewohnt. Am Telefon melde ich mich regelmäßig mit: „Sara Westerhaus, äh, Flieder.“ Beim Schreiben läuft es nur wenig besser:

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Dazu kommt, und das ist wirklich noch viel nerviger, als ich dachte: Man muss alle Ämter, Versicherungen, Ärzte, Banken, Vermieter usw. anschreiben. Die brauchen teilweise noch Bescheinigungen unterschiedlichster Art. Insgesamt hat es mich viele Anrufe, Briefe, Recherche, Mails und Nerven gekostet, bis alles umgestellt war. (Ironischerweise war das vermutlich früher weniger anstrengend, weil da nicht die Frau den ganzen Papierkram mit Banken und Wohnung gemacht hat…)

Nun bin ich damit aber fast durch und freue mich über den neuen Familiennamen.  Flieder scheint mein Umfeld jedoch fast noch mehr zu begeistern als mich. Während ich damit eher die Hochzeit verbinde, werden vor allem meine Kolleg*innen sehr kreativ.

  • Vorgeschlagene Babynamen, obwohl gar kein Baby im Anmarsch ist: Jasmin, Rosa, Flora, Lila.
  • Wortwitze: Flieder, Freude, Eierkuchen. Fliederwochen. Die Fliedders.
  • Mögliche alternative Berufe: Groschenroman-Figur, Kinderbuchautorin, und, na klar: Floristin.

Was also machen mit dem Namen?  Das, was dich und euch glücklich macht. Vielleicht war genau das ausschlaggebend: Niemand hat mich gezwungen und ich hab es gern getan.

 

 

Hochzeitswahnsinn

Es gibt gefühlt 100.000 Bücher, Pinterestposts und Instastories über Hochzeiten und Hochzeitsvorbereitungen. Meist sind sie rosa illustriert und umfassen alle Klischees, die es rund um den „schönsten Tag im Leben“ gibt. Weil es offenbar Ziel jeder Frau ist, unter die Haube zu kommen und an dem Tag Prinzessin sein zu dürfen. Das klingt alles toll und nach Traumhochzeit.

Was das aber mit den Frauen macht, wird mir erst jetzt klar, wo ich selber in den Vorbereitungen stecke. Als ich den Termin zur Anprobe des Kleides machen wollte, hieß es gleich: „Dann dürfen Sie bis dahin aber nicht mehr abnehmen!“ Ich war ziemlich überrascht, weil ich davon gar nichts gesagt hatte. Gestern bei der Anprobe hab ich nachgefragt, ob es der Normalfall ist, dass Bräute zur Hochzeit abnehmen wollen. Die Schneiderin meinte, 95 % der Kundinnen wollen 5-6 Kilo abnehmen. Als ich nach 15 Minuten fertig war – nichts zu beanstanden, alles noch kurz abgesteckt und mit genug Spielraum in der Korsage, um Platz für Hochzeitstorte zu lassen), war sie total begeistert, weil meine Anprobe so einfach war. Die Kundin vor mir (die ich kurz noch gesehen habe; etwa 25 Jahre alt, 1,75 m groß und sicher nicht über 55 kg schwer) wäre drei Stunden zur Anprobe da gewesen. Die Mutter habe dauernd gesagt, wie schwabbelig sie an einigen Stellen sei und dass das Kleid die Problemzonen betonen würde. Man sähe die Falte an den Achseln (!!!). Die junge Frau habe weinend bei der Anprobe gestanden und die Schneiderin hat die Anprobe dann abgebrochen, weil sie die Situation einfach nicht mehr ertragen konnte und die Braut erlösen wollte.

Wenn man weiter auf Instagram und Pinterest nach Hashtags zum Thema Hochzeit guckt, findet man unzählige Diätratgeber und Anweisungen, wie man in Form kommt. Yay, damit man dann weinend sein Kleid ändern lassen muss, weil man es nicht geschafft hat, genug abzunehmen? Oder später die Bilder ansieht und denkt: Geil, für ein paar Wochen war ich dünn und sah so aus, wie ich vorher und nachher nicht aussehe? What the hell??
Der Bräutigam hat übrigens in dieser Welt genau 2 Aufgaben: Den Antrag machen und sich beim Junggesellen-Abschied mal so richtig abzuschießen. Danach ist der Spaß ja vorbei, während ich von vielen Frauen nach der Hochzeit höre: Juhu, endlich darf ich wieder essen.

Zwischen Yeah! und What?

Vor ein paar Wochen habe ich berichtet, dass ich bald einen Programmierkurs machen werde. Mit dem wenigen Vorwissen, dass sich darauf beschränkt, einen Text im HTML-Modus fett zu machen, startete ich in den Kurs. Mittlerweile habe ich die dritte Doppelstunde „Web Development“ mit Moinworld hinter mir.

Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit, als ich die ersten 5 Wörter Englisch lernte, stolz wie Oskar war und zugleich merkte: Der Weg, diese neue Sprache wirklich zu lernen, wird verdammt hart und lang. Da ist auf der einen Seite die Begeisterung, zusammen mit anderen, fabelhaften Frauen zu lernen, wie eine Website aufgebaut ist und wie man die Zeichenkolonnen in grafische Elemente umwandelt, die tatsächlich online sind. Dann der Spaß, wenn ich mich mit Kolleg*innen aus der IT über deren Anfänge mit HTML und CSS austausche. Aber eben auch auf der anderen Seite: Die Erkenntnis, dass ich Jahre bräuchte, um diese Sprache auch nur im Ansatz zu verstehen. Bei allen Frustmomenten überwiegt aber die Faszination über den strikt logischen Aufbau der Befehle, die weltweit einheitlich sind.

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Nach den Doppelstunden bin ich jedes Mal ziemlich geschlaucht von dem neuen Input – ein lockeres Hobby ist der Kurs nicht. Aber der Einsatz lohnt sich definitiv! Wer auch Interesse an dem Kurs hat: Im Beitrag von 80 Euro sind 5 Unterrichtsstunden à 90 Minuten enthalten. Jeder Kurs startet jeden Monat wieder neu, so dass du jederzeit wieder einsteigen oder weitermachen kannst. Am Ende jeden Kurses hast Du eine Website online, die Du der Welt zeigen kannst und eine Bescheinigung über Deine Teilnahme.

Meine Website findet ihr hier: https://saras-erste-website.firebaseapp.com/

The future is female? – Nicht in der IT-Branche

„Die IT-Branche braucht mehr weibliche Vorbilder“ schrieb die Zeit schon vor über einem Jahr und auch 2017 heißt es noch: „Das Silicon Valley ist männlich und weiß„. Nur 15 Prozent Frauen arbeiten in IT-Berufen. Und nur 23 Prozent Frauen studieren Informatik. Dabei werden Fachkräfte in dem Bereich händeringend gesucht: Laut Bitkom gibt es derzeit rund 41.000 unbesetzte IT-Stellen in Deutschland. Gut bezahlt sind diese Jobs mit einem Anfangsgehalt ab rund 40.000 Euro auch. Führungskräfte mit Berufserfahrung bewegen sich sogar im Bereich zwischen 66.000-116.000 Euro. Klingt verlockend und zukunftsorientiert – und dennoch schrecken viele Mädchen und Frauen vor einer IT-Karriere zurück.

Eine, die das ändern will, ist Anja Schumann. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Moinworld e.V., einer Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Anteil der weiblichen Software Entwickler und Manager im IT Bereich auf 50 Prozent zu erhöhen. „Wir wollen die IT-Welt positiv verändern, in dem wir mehr Frauen und Mädchen für das Programmieren begeistern und sie in Ihrem Werdegang unterstützen“, erzählt sie in einem Interview. „Unsere Zukunft ist digital und Frauen und Männer sollten diese Zukunft gemeinsam gestalten können. Software verändert alle Bereiche, egal welchen man sich anschaut: Landwirtschaft, Automobilindustrie, Handel. Es wäre ein großer Vorteil, wenn ein größerer Teil der Bevölkerung diesen Code lesen und schreiben kann. Nicht nur, weil wir damit das Fachkräfteproblem lösen, sondern auch, weil wir alle wissen, dass diverse Teams bessere Ergebnisse hervorbringen.“

Damit das gelingt, bietet sie verschiedene Programmierkurse für Frauen an: In 10 Unterrichtsstunden kann man WordPress, Web Development oder Python lernen. Die Kurse sind echte Schnäppchen und werden quasi zum Selbstkostenpreis von 80 angeboten.

Am Dienstag startet für mich der Selbstversuch: Ich wage mich ans Programmieren. Ich bin neugierig, wie es wird, denn auch, wenn ich recht technikaffin bin, beschränkt sich das bisher doch eher auf die Anwendung. Nützlich wird es aber allemal, weil ich danach besser verstehe, was mir meine IT-Kollegen erzählen – zwei von ihnen sind übrigens weiblich.