#FrauFlieder

Ich habe vor Kurzem geheiratet. Die Frage, die mir oft vor der Hochzeit gestellt wurde: Behälst du deinen Namen? Vor 10, 20 Jahren hätte das vermutlich gar nicht zur Diskussion gestanden. Da war klar: Die Frau nimmt den Namen des Mannes an. Egal, ob frau danach statt „Sonnenschein“ „Kryzinzikomski“ heißt oder einen Nachnamen bekommt, der sich mit ihrem Vornamen schlimm beißt. Insofern freute ich mich über die freie Entscheidung.

Am 1. April 1994 trat das neue Familiennamensrechtgesetz in Kraft. Seitdem müssen sich Verlobte nicht mehr für einen gemeinsamen Ehenamen entscheiden und können  gleichberechtigt darüber diskutieren, wie sie nach der Trauung heißen möchten. Über 90 Prozent entscheiden sich dabei für den Namen des Mannes. 

In meinem Umfeld gibt es viele Frauen, die ihren Namen behalten haben. Das liegt daran, dass die meisten die 50er Jahre weit hinter sich gelassen haben, sich im Beruf im wahrsten Sinne des Wortes einen Namen gemacht haben und diesen nicht eintauschen wollen und/oder den Namen als Teil ihrer Identität empfinden. Das kann ich nachvollziehen. Mein Blog heißt nunmal sarawesterhaus.com und kann auch nicht einfach umbenannt werden. Wenn man „Sara Westerhaus“ googelt, findet man alle Artikel, die ich in den letzten Jahren – fast Jahrzehnten – geschrieben habe. Warum sollte ich das aufgeben? Und ist das nicht unfeministisch?

Einige Freundinnen und Bekannte nahmen nach der Hochzeit den Namen des Mannes an, obwohl sie als Familiennamen eigentlich ihren Namen lieber gehabt hätten. In diesen Fällen war es dann aber fast immer der Mann, der dagegen war („Weil man das eben so macht“). Manche nahmen den Namen auch selbst einfach so an, ohne groß darüber nachzudenken. Beides finde ich sehr schade.

Neben der Statistik und den Erfahrungen im Freundeskreis zeigt auch die Recherche in Foren: Wirklich angekommen ist die Gleichberechtigung in den Köpfen noch nicht. Und das gilt auch für Frauen, die es als „unmännlich“ ansehen, wenn der Mann den Namen der Frau annimmt:

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Warum dann #FrauFlieder?

Persönlich kann ich nur sagen, ein „neuer“ gemeinsamer Familienname macht für mich den Schritt in eine eigene Familie deutlich, deswegen bin ich für den gleichen Nachnamen. In meinem Fall gewann der Name des Mannes, weil er a) einfach schöner ist und b) weil außer mir und meinem Vater niemand in der Familie meinen alten Namen trägt (wegen neuer Ehen und weil ich Einzelkind bin). Ich fand es aber auch etwas mühsam, dass ich das vor meinen feministischen Freunden rechtfertigen musste, denn die Entscheidung war lange überlegt und hatte ja gute Gründe.

Wie ist es nun, ein paar Wochen mit dem neuen Namen? Es ist schön, aber auch neu und ungewohnt. Am Telefon melde ich mich regelmäßig mit: „Sara Westerhaus, äh, Flieder.“ Beim Schreiben läuft es nur wenig besser:

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Dazu kommt, und das ist wirklich noch viel nerviger, als ich dachte: Man muss alle Ämter, Versicherungen, Ärzte, Banken, Vermieter usw. anschreiben. Die brauchen teilweise noch Bescheinigungen unterschiedlichster Art. Insgesamt hat es mich viele Anrufe, Briefe, Recherche, Mails und Nerven gekostet, bis alles umgestellt war. (Ironischerweise war das vermutlich früher weniger anstrengend, weil da nicht die Frau den ganzen Papierkram mit Banken und Wohnung gemacht hat…)

Nun bin ich damit aber fast durch und freue mich über den neuen Familiennamen.  Flieder scheint mein Umfeld jedoch fast noch mehr zu begeistern als mich. Während ich damit eher die Hochzeit verbinde, werden vor allem meine Kolleg*innen sehr kreativ.

  • Vorgeschlagene Babynamen, obwohl gar kein Baby im Anmarsch ist: Jasmin, Rosa, Flora, Lila.
  • Wortwitze: Flieder, Freude, Eierkuchen. Fliederwochen. Die Fliedders.
  • Mögliche alternative Berufe: Groschenroman-Figur, Kinderbuchautorin, und, na klar: Floristin.

Was also machen mit dem Namen?  Das, was dich und euch glücklich macht. Vielleicht war genau das ausschlaggebend: Niemand hat mich gezwungen und ich hab es gern getan.

 

 

Hochzeitswahnsinn

Es gibt gefühlt 100.000 Bücher, Pinterestposts und Instastories über Hochzeiten und Hochzeitsvorbereitungen. Meist sind sie rosa illustriert und umfassen alle Klischees, die es rund um den „schönsten Tag im Leben“ gibt. Weil es offenbar Ziel jeder Frau ist, unter die Haube zu kommen und an dem Tag Prinzessin sein zu dürfen. Das klingt alles toll und nach Traumhochzeit.

Was das aber mit den Frauen macht, wird mir erst jetzt klar, wo ich selber in den Vorbereitungen stecke. Als ich den Termin zur Anprobe des Kleides machen wollte, hieß es gleich: „Dann dürfen Sie bis dahin aber nicht mehr abnehmen!“ Ich war ziemlich überrascht, weil ich davon gar nichts gesagt hatte. Gestern bei der Anprobe hab ich nachgefragt, ob es der Normalfall ist, dass Bräute zur Hochzeit abnehmen wollen. Die Schneiderin meinte, 95 % der Kundinnen wollen 5-6 Kilo abnehmen. Als ich nach 15 Minuten fertig war – nichts zu beanstanden, alles noch kurz abgesteckt und mit genug Spielraum in der Korsage, um Platz für Hochzeitstorte zu lassen), war sie total begeistert, weil meine Anprobe so einfach war. Die Kundin vor mir (die ich kurz noch gesehen habe; etwa 25 Jahre alt, 1,75 m groß und sicher nicht über 55 kg schwer) wäre drei Stunden zur Anprobe da gewesen. Die Mutter habe dauernd gesagt, wie schwabbelig sie an einigen Stellen sei und dass das Kleid die Problemzonen betonen würde. Man sähe die Falte an den Achseln (!!!). Die junge Frau habe weinend bei der Anprobe gestanden und die Schneiderin hat die Anprobe dann abgebrochen, weil sie die Situation einfach nicht mehr ertragen konnte und die Braut erlösen wollte.

Wenn man weiter auf Instagram und Pinterest nach Hashtags zum Thema Hochzeit guckt, findet man unzählige Diätratgeber und Anweisungen, wie man in Form kommt. Yay, damit man dann weinend sein Kleid ändern lassen muss, weil man es nicht geschafft hat, genug abzunehmen? Oder später die Bilder ansieht und denkt: Geil, für ein paar Wochen war ich dünn und sah so aus, wie ich vorher und nachher nicht aussehe? What the hell??
Der Bräutigam hat übrigens in dieser Welt genau 2 Aufgaben: Den Antrag machen und sich beim Junggesellen-Abschied mal so richtig abzuschießen. Danach ist der Spaß ja vorbei, während ich von vielen Frauen nach der Hochzeit höre: Juhu, endlich darf ich wieder essen.

Zwischen Yeah! und What?

Vor ein paar Wochen habe ich berichtet, dass ich bald einen Programmierkurs machen werde. Mit dem wenigen Vorwissen, dass sich darauf beschränkt, einen Text im HTML-Modus fett zu machen, startete ich in den Kurs. Mittlerweile habe ich die dritte Doppelstunde „Web Development“ mit Moinworld hinter mir.

Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit, als ich die ersten 5 Wörter Englisch lernte, stolz wie Oskar war und zugleich merkte: Der Weg, diese neue Sprache wirklich zu lernen, wird verdammt hart und lang. Da ist auf der einen Seite die Begeisterung, zusammen mit anderen, fabelhaften Frauen zu lernen, wie eine Website aufgebaut ist und wie man die Zeichenkolonnen in grafische Elemente umwandelt, die tatsächlich online sind. Dann der Spaß, wenn ich mich mit Kolleg*innen aus der IT über deren Anfänge mit HTML und CSS austausche. Aber eben auch auf der anderen Seite: Die Erkenntnis, dass ich Jahre bräuchte, um diese Sprache auch nur im Ansatz zu verstehen. Bei allen Frustmomenten überwiegt aber die Faszination über den strikt logischen Aufbau der Befehle, die weltweit einheitlich sind.

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Nach den Doppelstunden bin ich jedes Mal ziemlich geschlaucht von dem neuen Input – ein lockeres Hobby ist der Kurs nicht. Aber der Einsatz lohnt sich definitiv! Wer auch Interesse an dem Kurs hat: Im Beitrag von 80 Euro sind 5 Unterrichtsstunden à 90 Minuten enthalten. Jeder Kurs startet jeden Monat wieder neu, so dass du jederzeit wieder einsteigen oder weitermachen kannst. Am Ende jeden Kurses hast Du eine Website online, die Du der Welt zeigen kannst und eine Bescheinigung über Deine Teilnahme.

Meine Website findet ihr hier: https://saras-erste-website.firebaseapp.com/

The future is female? – Nicht in der IT-Branche

„Die IT-Branche braucht mehr weibliche Vorbilder“ schrieb die Zeit schon vor über einem Jahr und auch 2017 heißt es noch: „Das Silicon Valley ist männlich und weiß„. Nur 15 Prozent Frauen arbeiten in IT-Berufen. Und nur 23 Prozent Frauen studieren Informatik. Dabei werden Fachkräfte in dem Bereich händeringend gesucht: Laut Bitkom gibt es derzeit rund 41.000 unbesetzte IT-Stellen in Deutschland. Gut bezahlt sind diese Jobs mit einem Anfangsgehalt ab rund 40.000 Euro auch. Führungskräfte mit Berufserfahrung bewegen sich sogar im Bereich zwischen 66.000-116.000 Euro. Klingt verlockend und zukunftsorientiert – und dennoch schrecken viele Mädchen und Frauen vor einer IT-Karriere zurück.

Eine, die das ändern will, ist Anja Schumann. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Moinworld e.V., einer Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Anteil der weiblichen Software Entwickler und Manager im IT Bereich auf 50 Prozent zu erhöhen. „Wir wollen die IT-Welt positiv verändern, in dem wir mehr Frauen und Mädchen für das Programmieren begeistern und sie in Ihrem Werdegang unterstützen“, erzählt sie in einem Interview. „Unsere Zukunft ist digital und Frauen und Männer sollten diese Zukunft gemeinsam gestalten können. Software verändert alle Bereiche, egal welchen man sich anschaut: Landwirtschaft, Automobilindustrie, Handel. Es wäre ein großer Vorteil, wenn ein größerer Teil der Bevölkerung diesen Code lesen und schreiben kann. Nicht nur, weil wir damit das Fachkräfteproblem lösen, sondern auch, weil wir alle wissen, dass diverse Teams bessere Ergebnisse hervorbringen.“

Damit das gelingt, bietet sie verschiedene Programmierkurse für Frauen an: In 10 Unterrichtsstunden kann man WordPress, Web Development oder Python lernen. Die Kurse sind echte Schnäppchen und werden quasi zum Selbstkostenpreis von 80 angeboten.

Am Dienstag startet für mich der Selbstversuch: Ich wage mich ans Programmieren. Ich bin neugierig, wie es wird, denn auch, wenn ich recht technikaffin bin, beschränkt sich das bisher doch eher auf die Anwendung. Nützlich wird es aber allemal, weil ich danach besser verstehe, was mir meine IT-Kollegen erzählen – zwei von ihnen sind übrigens weiblich.