Blogparade #ichliebemeinenJob

Ich bin Referentin für Online-Kommunikation bei einer internationalen Nichtregierungsorganisation. Kein Berufswunsch, den ich schon als Kind hatte. Denn: Online gab es noch nicht wirklich und was NGOs überhaupt sind, wusste ich auch nicht. In der Rückschau allerdings wird mir bewusst, dass ich nicht nur ständig meine Nase in Bücher gesteckt, sondern auch viel geschrieben habe. Eine Leidenschaft für Kommunikation wurde mir auch schon in der zweiten Klasse bestätigt, als es im Zeugnis hieß: „Sara konnte ihren Äußerungsdrang nicht immer steuern“ – diesen Euphemismus für „Das Kind kann seinen Schnabel nicht halten“ werde ich wohl nie vergessen.

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Der wurde mir mal mehr, mal weniger zum Verhängnis, denn die Kombination mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn führt dazu, dass ich mich häufiger mal mit Lehrer*innen in die Haare bekam, wenn diese Mitschüler*innen unfair behandelten. Bis ich allerdings bei meinem jetzigen Job landete, dauerte es doch noch etwas.

Nach dem Abi machte ich zunächst eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien – das Wort „Digital“ deutete schon die Richtung an. Nachdem ich meine Ausbildungszeit aber hauptsächlich damit verbringen musste, Etiketten von Wurstverpackungen zu designen, wurde mir schnell klar, dass ich mich inhaltlicher austoben will. Also entschied ich mich, Soziologie zu studieren. Da ich gern nach Münster wollte, musste ich ein zweites Studienfach wählen. Hier spielte dann der Zufall (und das Internet) eine große Rolle: Da ich wirklich und wahrhaftig keinen PC zuhause hatte, musste ich die Online-Bewerbung bei einer Freundin machen. Dort sollte ich das Zweitfach anklicken, von dem ich bisher noch nichts gewusst hatte. Erziehungswissenschaften? Deutsch? Religion? BWL? Alles nicht so meins, also klickte ich ohne viel Vorwissen, was mich genau erwartet, auf  Politikwissenschaften. Beruflich gesehen, eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Das Studium war anspruchsvoll, aber unglaublich spannend. Und auch wenn es platt klingt: Die Erkenntnisse haben mich wirklich geprägt.

Je weiter das Studium voranschritt, desto klarer wurde mir: Ich habe meine Berufung gefunden. Ich arbeitete ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe, bei Greenpeace und später bei der Aidshilfe. Im Studium fokussierte ich mich auf den Schwerpunkt NGOs, Arbeitsmarktpolitik und politische Soziologie.

Mittlerweile waren StudiVZ und MySpace schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Dafür hielten Twitter, Facebook und Blogs Einzug in meinen Alltag. Das fand ich so spannend, dass ich in meiner Masterarbeit untersuchte, ob NGOs durch soziale Netzwerke ihr oft beklagtes Demokratiedefizit – da sie nicht von der Bevölkerung gewählt sind – ausgleichen können. Eine komplexe Fragestellung, die mit einigem Abstand und der Entwicklung der sozialen Netzwerke mittlerweile sicher anders beantwortet werden müsste.

Nach dem Abschluss konnte ich meine Theorie in der Praxis überprüfen. Nach einem Jahr als Projektmitarbeiterin in der FH Münster fing ich bei Greenpeace als Web-Campaignerin an und begleitete verschiedene Kampagnen online. Ohne journalistische Ausbildung, aber mit jahrelanger Erfahrung als Bloggerin und ehrenamtlicher Greenpeace-Sprecherin in Münster war der Sprung ins Wasser damit immerhin lauwarm – und beim Schwimmen wird einem ja eh warm. Nach drei Jahren mit vielen spektakulären Aktionen, einigen Nachtschichten und viel neuem Wissen wechselte ich im Dezember 2014 zu Plan International Deutschland und bin seitdem dort als Referentin für Online-Kommunikation für alles rund um News und Social Media zuständig.

Die Frage „Liebst du deinen Job?“ würde ich also mit „Ja“ beantworten. Warum? Weil ich durch meine Arbeit die Welt verbessern kann, weil ich im Job viel lesen und schreiben darf und im ständigen Austausch über die sozialen Netzwerke bin. Das ist manchmal anstrengend, aber immer wieder spannend. Und jetzt muss ich los zur Arbeit 🙂

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2 Gedanken zu “Blogparade #ichliebemeinenJob

  1. Eine sehr interessante Beschreibung, wie du zu deinem jetzigen Job gefunden hast 🙂 Was mich noch interessieren würde: Was gefällt dir an deinem Job nicht? Du schreibst, dass du durch ihn die Welt verbessern kannst. Inwieweit kannst du das feststellen? Denn der Einfluss von NGOs ist ja je nach Gebiet sehr unterschiedlich.

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