El Brujito: Das Ende einer linken Kultkneipe

Das El Brujito am Lornsenplatz ist kaum mehr auszumachen. Versteckt hinter einem Baugerüst weist wenig darauf hin, welcher Schatz hinter der Tür zu finden ist. Noch jedenfalls: Nach einer verlorenen Räumungsklage ist das El Brujito zur Zeit nur noch geduldet und muss am 1. Juni 2014 seine Pforten endgültig schließen.

Der Laden erinnert an Kneipen wie das Central Perk bei „Friends“ oder MacLarens Pub bei „How I Met Your Mother“: Ein Wohnzimmerersatz mit dem großen Vorteil, dass man sich um die Beschaffung der Getränke nicht selbst kümmern muss. Auch die taz betrauerte bereits das Ende dieser linken Institution, die zu einem sozialen und kulturellen Treffpunkt geworden ist. Und von denen gibt es immer weniger: Steigende Mieten, Abriss von Altbauten, Luxussanierungen verdrängen Kultkneipen wie diese.

Die Firma Lafrenzprojekte erwarb 2011 das Haus, in dem auch das El Brujito seine gemütlichen Räumlichkeiten mit einem lauschigen Biergarten hat und will es zu Büroräumen umfunktionieren. Damals gab es noch einen gültigen Mietvertrag bis 2020 mit Verlängerungsoption und für die Besitzer erstmal keine Eile bei der Suche nach neuen Räumen. Doch dann kündigte Lafrenz den Besitzern wegen eines einmaligen, kurzen Zahlungsverzugs – fristlos. Durch einen Formfehler im Mietvertrag wurde die Kündigung vom Gericht in eine fristgerechte umgewandelt. Besitzer Karsten Siem hat rund 60.000 Euro in den Laden gesteckt. Falls er und seine Mitinhaberin nicht schnell ein anderes geeignetes Objekt finden, kommen zu den Gerichtskosten auch noch Schulden bei der Brauerei dazu. Und die Festangestellten verlieren ihren Job, der ihnen viel bedeutet hat.

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Dabei machen gerade Kneipen wie diese den Charme eines Viertel aus. Wer will schon in den überall gleich aussehenden Starbucksfilialen oder auf Touristen ausgelegten Hochglanzbars hocken? Ich nicht. Wir nicht. Dann doch lieber den hauseigenen Tarifa (Likör 43 mit Espresso – mein Schnaps des Jahrhunderts!) trinken, währenddessen auf Tapasnachschub von der tätowierten Kellnerin warten und die Flirtversuche des Kneipenhundes bei unserer Hündin beobachten. Wir futterten uns gestern erst durch den kompletten vegetarischen Teil der Karte: Baguette, Oliven, Käseplatte, Artischocken in Gorgonzolasoße, salzig eingelegte Paprika, Kartoffeln mit scharfer Soße, gefüllte Teigtaschen mit Spinat und Käse,…einfach großartig und lecker.

Und bis der Laden schließen muss, werden wir noch so oft wie möglich hingehen, ein paar Rotweinflaschen leeren und darauf hoffen, dass noch ein neuer Platz gefunden wird. In diesem Sinne: Teilt diesen Post, den taz-Artikel oder den Link zum El Brujito – vielleicht bekommt ja einer davon Wind, der einen heißen Tipp für eine neue Location hat. Dafür gibt es dann sicher auch einen Tarifa aufs Haus.

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UPDATE (Juli 2014): Jiiihaaa, das El Brujito hat in der Amundsenstraße eine neue Location gefunden und feiert am 8. August Einweihung. Wir freuen uns und sind dabei!

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2 Gedanken zu “El Brujito: Das Ende einer linken Kultkneipe

  1. Pingback: Wenn unsere Gäste zufrieden sind… | El Brujito – Altona

  2. Pingback: Die TAZ berichtet über das leise Sterben der Kneipen-Kultur in Altona Altstadt |

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