Eco Fashion auf der Berlin Fashion Week

Es ist Fashion Week. Selbst wenn man keine Frauenzeitschriften liest, geht der Modezirkus kaum an einem vorbei. Die Klatschblätter feiern wie gewohnt die neuen Kollektionen, Designer und Goodiebags, ohne einen Gedanken an die Folgen dieses Konsums zu verschwenden. Der Kreislauf aus Kaufen, Wegwerfen und Neukaufen belastet mittlerweile dank Ketten wie Primark, Zara und H&M kaum mehr den Geldbeutel. Dafür aber umso mehr die Umwelt.

Doch gibt es auch zarte Hoffnungsschimmer einer Welt, in der Nachhaltigkeit irgendwo zwischen dem Gefunkel und Geglitzer verloren ging. Twitter witzelt über die Trecker, die zur Grünen Woche an den Fashion-Shows vorbeifahren, aber die Ethical Fashion Show und der Green Showroom zeigten drei Tage lang, dass Mode und Ökologie sehr gut kombinierbar sind.

Ethical Fashion Show
Ethical Fashion Show

Motive, diese Art der Mode vorzuziehen, gibt es nicht nur für Umweltbewusste: Die Sachen sind zeitlos und halten länger. Sie sind abseits vom H&M-Mainstream, oft Einzelstücke, meist limitiert.

Zudem ist die Ökomode zwar optisch nicht mehr von der konventionellen zu unterscheiden, macht aber ethisch noch einen weiteren entscheidenden Unterschied: Sie entzieht sich dem klassischen Magermodel-Wahnsinn. Im Blog Die Eskapistin beschreibt die Bloggerin, wie ein Mantel in Größe 38 als Übergröße verkauft wurde – auf der normalen Fashion Week. Im Bereich der grünen Mode ist von einem Hype um Bikinibrücken und Oberschenkellücken wenig zu spüren. Viele der Designer haben nicht einmal eine XS im Angebot (für mich als kleine und sportbedingt schlanke Person leider schon wieder ein Nachteil).

Laurie Penny schreibt in Fleischmarkt: „Die ‚Größe Null‘-Frau (also Größe 32 bzw. XS) (…) ist eine gefährliche Fiktion. Es ist eine Fiktion, die überkommene Geschlechterstereotypen belebt und in den kapitalistischen Ethos der Modeindustrie zurückwirkt.“ Auf beiden Eco Fashion Messen schwirrten wenig bis keine dieser heruntergehungerten Menschen herum. Hier gab es Kekse und Gummibärchen auf den Tischen. Und auch, wenn man sich die Onlineshops und Prospekte der Designerinnen und Designer ansieht, stellt man fest, dass eher Größe-M-Models dominieren.

Ich habe mir den Trubel zwei Tage lang live angesehen und bin froh, dass das Prinzip „Gucken, nicht kaufen“ galt  – bei den 115 Ausstellern waren viele Klamotten dabei, die ich sofort mitgenommen hätte. Im Green Showroom zeigen 30 Designer High Fashion, die aber zum Teil preislich immer noch weit von dem entfernt ist, was man sonst für Designermode hinblättern muss – und das alles unter ökologischen und sozialen Aspekten. Aber auch auf der Ethical  Fashion Show habe ich viele Talente entdeckt. Allen voran die Berliner Designerinnen von format. Klare, klassische Schnitte, ein paar schöne Details und langlebige, hochwertige Materialien – hier findet man Lieblingsstücke, die man gerne ein paar Jahre trägt.

Ich hatte schon 2011 gebloggt, dass ich beim Thema Mode weit weniger nachhaltig handele, als ich gerne würde. Das lag vor allem daran, dass mir das Angebot damals nicht vielfältig genug war: Streetwear wie von meinem Hamburger Lieblingslabel Recolution gibt es zwar genug, aber im Bereich etwas schickerer und weiblicherer Mode, wie sie Modström, Vila oder Samsøe & Samsøe designen, fehlte lange Zeit das passende und bezahlbare Angebot. Nun bin ich aber fündig geworden und werde bei künftig bei Spectrum, treches, Veja oder L’herbe Rouge stöbern. Und ich werde einen Grund brauchen, dieses Seidenkleid mit pinkem Herbstwald-Druck von Myuli zu tragen.

Seidenkleid von Myuli
Seidenkleid von Myuli

Und natürlich: Auch dieser Konsum ist und bleibt Konsum. Das ist mir bewusst – aber es braucht eine Wende in der Modeszene hin zu nachhaltiger Mode, die nicht zu Lasten von Umwelt und Menschen geht. Offenbar haben ein paar Revoluzzer den richtigen Weg bereits eingeschlagen. Folgen wir ihnen, nicht nur auf Twitter.

(Zum Weiterlesen: Kirsten Brodde schreibt im Greenpeace Blog  über den bewussten Verzicht und ich habe für Greenpeace zum Thema Upcycling einen Artikel geschrieben.)

Advertisements

3 Gedanken zu “Eco Fashion auf der Berlin Fashion Week

  1. Pingback: Fashion Week 2014 | enorm - der Blog

  2. Pingback: Korrekte Klamotten bei Maygreen | In Bewegung

  3. Pingback: Zeitlose Eco-Fashion von format | In Bewegung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s