Lebensmittelskandale: Ist Transparenz die Lösung?

Pferdefleisch in der Lasagne, falsch etikettierte Bio-Eier, Pestizide auf Gemüse – das Jahr ist noch jung und schon häufen sich wieder Lebensmittelskandale. Den schwarzen Peter schieben die Konsumenten den Unternehmen zu – und diese schieben ihn zurück und krakelen, Geiz sei nun mal geil und Formfleisch für 99 Cent eine fantastische Mahlzeit. Wer ist denn nun Schuld an der Misere?

Oxfam hat die selbstgesteckten Ziele der zehn größten Lebensmittelkonzerne in den Bereichen Arbeitsrechte, Rechte von Kleinbauern, Frauen, Land, Wasser, Klimawandel und Transparenz überprüft und verglichen.

Die Bilanz: Nicht einmal auf dem Papier zeigen die üblichen Verdächtigen, unter anderem Coca Cola, Nestlé, Kelloggs und Unilever, soziales und ökologisches Bewusstsein. Zwar gibt es Fortschritte bei der Formulierung von Firmenpolitiken. Aber die Praxis zeigt, dass Lebensmittelkonzerne noch meilenweit davon entfernt sind, sozial und ökologisch nachhaltig zu handeln.

Dafür bieten sie einen guten Preis – und der kommt an. Verbraucher in Deutschland zählen gerade bei Lebensmitteln zu den größten Schnäppchenjägern Europas. Der Anteil der Ausgaben für Nahrungsmittel an den gesamten Konsumausgaben sinkt stetig: 1900 waren es noch 57 Prozent, im Jahr 2011 betrug dieser Anteil nur noch 14,7 Prozent. Im europäischen Vergleich ist das extrem wenig. Selbst wirtschaftlich schwächere Länder geben häufig anteilig doppelt so viel für Lebensmittel aus.
Der Preis ist das schlagende Argument für viele Konsumenten – gleichzeitig wollen sie Qualität und Bioprodukte zum Sparpreis. Die Unternehmen nutzen das und werben mit Begriffen wie „regional“, „kontrollierter Anbau“, „traditionelle Rezeptur“, „Gourmet“ oder zeigen ländliche Idylle auf ihren Verpackungen, die mit der wirklichen Produktion rein gar nichts mehr zu tun hat. Wir sehen halt lieber Bären mit Milchkannen auf der Alm statt Kühe mit entzündeten Eutern in dunkeln und stinkenden Ställen…

Tatsache ist: Billigpreise sind nur durch billige Massenproduktion möglich – oft unter Ausbeutung von Menschen und Natur. Nun argumentieren viele: Wir wissen es nicht besser. Was wäre, wenn doch? Würden wir dann diese Produkte weiterhin kaufen?

Folgender Kurzfilm dokumentiert eine Guerilla Aktion, die im September 2012 auf dem Wochenmarkt einer deutschen Großstadt durchgeführt wurde. Das fiktive Unternehmen „Agraprofit” hat ein innovatives Verkaufskonzept: Billige Produkte und gleichzeitig volle Transparenz der Produktionskette. Es konfrontiert die Kundschaft offen mit den Produktions- und Handelsbedingungen der angebotenen Billiglebensmittel in schickem Design. Schilder zeigen, was hinter den Produkten steckt: Zum Beispiel “Kinderarbeit? – Dann sind sie wenigstens weg von der Straße!”.
Aber seht selbst:

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