Prag: Für Verliebte

Oder: LOVE AND THE CITY.

Erinnerungen an meinen Städtetrip nach Amsterdam mit meiner damaligen Mitbewohnerin bestehen vor allem darin, wie ich mehr oder weniger berauscht und mit schokoladenverschmiertem Mund von einem Schuhgeschäft ins nächste und zwischendrin in Bäckereien einfalle, um dort zuckrige Versuchungen mit Vanillepuddingfüllung zu erstehen und noch im Herausgehen aus der Tüte zu holen. In den Erholungspausen der Insulinschocks und des Konsumswahnes nahmen wir vor allem viele schöne, junge Menschen und Fahrräder wahr – und am Rande auch etwas der holländischen Kultur.

Prag ist da anders.

Nichts lenkt in dieser Stadt von der Liebe ab. Es gibt keine netten Souvenirläden, nur schrammelige Shops mit T-Shirts, Kühlschrankmagneten, Biergläsern und all dem üblichen unnützen Kram, Läden, in denen unglaublich kitschige Andenken aus Glas verkauft werden und Juweliere. Die Schokolade – selbst die teure aus den Confiserien – schmeckt grauenvoll und kann nicht einmal mit der billigen deutschen Supermarkt-Schokolade mithalten.

Aber – und hier muss ich einfach das Klischee bestätigen – Prag ist einfach an sich wunderschön.

Und so läuft man mit seinem Liebsten einfach durch die zauberhafte Stadt, philosophiert über Kafka und andere Literatur, die jüdische Kultur und das Leben selbst.

Irgendwann lockt der Hunger. Das ist vorsichtig formuliert schwierig in Prag, wenn man vegetarisch essen möchte. Es gibt die wildesten Fleischkreationen, von Spanferkel bis Wild ist alles überall zu bekommen – nur keine vegetarischen Gerichte.“Das hier ist die Stadt, in der man zu McDonalds geht, wenn man kein Fleisch essen will“ – glücklicherweise haben wir dann doch noch was gefunden. Das Highlight war das Lehka Hlava, ein gemütliches, kreativ eingerichtetes rein vegetarisches Restaurant mit einer vielfältigen Speisekarte von mexikanisch über italienisch bis hin zu orientalisch. Wir mussten nach der Vorspeise (Grilled vegetables with garlic, marinated in balsamic vinegar and olive oil – served with arugula, parmesan and bread) und den Hauptspeisen Cheddar quesadilla with jalapeńos, guacamole, tomato salsa, sour cream and a small green salad und “Big Clear Head” – selection of main dishes (eggplant quesadilla with tomato salsa and sour cream, grilled vegetable kebabs, potatoes au gratin and a small green salad with lemon-honey dressing) einen sehr langen Spaziergang machen, um den kugelrunden Bauch zu entlasten. Mit zwei Soda und zwei Bier zum Essen bezahlten wir umgerechnet nur 15 Euro. Unschlagbar günstig und unbedingt empfehlenswert! Am Wochenende sollte man allerdings reservieren oder vor 18 Uhr kommen.

Pause vom Spazierengehen macht man am besten in Cafés: im etwas versteckten Café Montmarte, in dem auch Franz Kafka oder Max Brod schon saßen. Hierher kommen eher Einheimische und der Kellner schien demnach von uns Touris auch nicht sehr angetan. Dennoch ist das Café sehr gemütlich und wohl eher für Abends zu empfehlen. Anders im Louvre, in dem sich mehr Touristen tummeln. Dort bekommt man sehr gutes Essen, etwa gebackene Spinatrolle mit Salat oder hausgemachte Spätzle mit Pilzen. Viele der Gerichte sind vegetarisch, einige sogar makrobiotisch. Dazu gibt es einen riesigen Brot- und Brötchenkorb. Den sollte man aber keinesfalls leer essen, sondern Platz lassen für den fantastischen Kuchen. Alles Sorten sahen einfach super aus. Die Wahl fiel dann auf warmen Apfelstrudel mit Vanillesoße und Sahne. Wooha!

Der Milchkaffee wird in Kännchen serviert und somit ohne den klassischen Milchschaum. Ungewöhnlich, aber dennoch lecker!

Trotz guten Schuhen machen sich bei dem Wandern durch die Altstadt, die Neustadt, das jüdische Viertel und die Kleinseite irgendwann die Füße bemerkbar. Dann erholt man sich am besten bei einer thailändischen Fußmassage. Aus den gemütlichen Sesseln will man eigentlich nie wieder aufstehen!
Muss man aber. Dann holt man sich zwei Bier aus einem Kiosk auf die Hand und läuft verliebt in einander und in die Stadt einfach weiter. Hach.


Machen:
  • Mit der Bahn hinfahren. Die Strecke ist wunderschön und der Eurocity das entspannteste Reisemittel nach Prag.
  • Bier trinken, und zwar alle Sorten.
  • Trdelniks essen (um Stangen gerollter süßer Hefeteig, der auf einem Grill gebacken wird).
Lassen:
  • Nach Prag fahren, wenn es alle machen (Ferien, langes Wochenende, Sommer): viel zu voll!
  • Im Hotel schlafen. Hostels sind genauso toll, etwa das Sir Tobys.
  • Taxi fahren. Zu Fuß entdeckt man mehr!

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Ein Gedanke zu “Prag: Für Verliebte

  1. Ellen Strippel

    Die Reisebeschreibung „Prag für Verliebte“ liest sich sehr schön und es ist toll, dass wir das schon sehr bald nachprüfen können.

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