Mailverkehr mit der Deutschen Bahn

Durch die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt wurde ich auf eine Aktion der Deutschen Bahn aufmerksam.
Die Deutsche Bahn gibt sich nämlich neuerdings partizipatorisch und ruft dazu auf, ihre Favoriten aus neun Gerichten zu wählen, die allesamt fleischhaltig sind. Es gibt keine einzige vegetarische Option. Diese Aktion heißt „Von Oma inspiriert“ und weckt nicht nur den Unmut der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, sondern auch meinen. Und so folgte ich dem Aufruf, der Bahn zu schreiben, und fragte nach, warum es keine vegetarischen Angebote gibt. Die Antwort folgte zügig, stellte mich aber keinesfalls zufrieden:

„Das Speiseangebot der Bordgastronomie in den Zügen wird für die kulinarische Jahresaktion 2012 für jedes Quartal von unseren Kunden neu gewählt. Die nächste Abstimmung findet voraussichtlich schon Ende Januar / Anfang Februar statt. Mindestens eines der zur Auswahl gestellten Gerichte wird dann auch für die vegetarische Ernährung geeignet sein.“

Mindestens ein Gericht? Das sind ja Zustände wie in der DDR. Wo bleibt denn die Wahl, wenn ich nur ein Gericht habe, das ich essen kann – von der Auswahl für Veganer mal ganz abgesehen.
Und so hakte ich noch einmal nach und erkundigte mich auch gleich nach dem Grund der Formulierung „von Oma inspiriert“. Das ist schlicht irreführend: Fleisch war zu Omas Zeiten Luxus und gehörte keinesfalls zum täglichen Speiseplan.

Auf meine zweite Mail folgte diese Antwort:

„Fleischlose Angebote werden in den letzten Monaten verstärkt von Bahnkunden und Restaurantgästen gefordert. Dabei wird ausdrücklich die Ausweitung von Angeboten ohne Fleisch gewünscht. Fisch wird vom überwiegenden Teil unserer Gäste in diesem Kontext oftmals akzeptiert.
Die Ernährungsform des Vegetarismus stellt in seiner Vielfalt der Ausprägungen und (noch) fehlender verbindlicher Vorgaben in Sachen Kommunikation eine ganz besondere Herausforderung dar. Wir werden die Gastresonanz weiter aufmerksam verfolgen. Dabei soll nicht ausgeschlossen werden, dass wir zukünftig andere Maßstäbe an den Hinweis vegetarisch stellen und diese in der Karte auch benennen.“

Daraus werde ich nun überhaupt nicht schlau. Was soll das heißen? Aus dem ersten Absatz folgere ich, dass ich wohl nicht allein bin mit meiner Forderung, was aber keinen Einfluss auf die derzeitige Aktion hat – auch Fisch wird übrigens in keinem der neun zur Auswahl stehenden Gerichte angeboten.
Der zweite Absatz ist meines Erachtens nach reines Blabla. Es wird so dargestellt, als seien Vegetarier ein unfassbar schwierige Zielgruppe und aus diesem Grund müsse man erst einmal lange überlegen, was man denen denn überhaupt anbieten kann. Das sollen sie doch mal die Oma fragen!
Die Lieblingsrezepte meiner Oma sind:
1. Apfelpfannkuchen mit Zimt und Zucker
2. Graupeneintopf (schmeckt um Längen besser, als es klingt)
3. Kartoffelpuffer mit selbstgemachtem Apfelmus
4. Milchreis mit Kirschen
5. Quer-durch-den-Garten-Eintopf

Bis auf Letzteres, das zumindest für Opa mit Wurst serviert wurde, ist alles vegetarisch.
Und wenn es generell um vegetarische Gerichte geht, könnte die rückständige Bahn sich doch einfach mal in einschlägigen Foren infomieren oder eines der fast 1.700 vegetarischen Kochbücher aufschlagen. Oder ihre bisherigen Gerichte zumindest so anbieten, dass man das Fleisch auch einfach weglassen kann. Die von der Bahn angemerkten „fehlenden verbindlichen Vorgaben in Sachen Kommunikation“ dienen wohl nur als Ausrede für das Herumgeschwafel in der Beantwortung der Kundenanfragen zu vegetarischen Alternativen – ein Grund mehr, der DB weiter Druck zu machen.

Nachtrag, 5.12.2011:

In meiner dritten Mail sprach ich folgende drei Punkte an:
1. dass ich wohl nicht allein bin mit meiner Forderung, was aber keinen Einfluss auf die derzeitige Aktion habe – auch Fisch werde in keinem der neun zur Auswahl stehenden Gerichte angeboten.
2. welche Definitionsschwierigkeiten bei dem Begriff Vegetarismus die Bahn habe
3. schlug ich der Bahn meine auch oben genannten Lösungen vor.

Darauf kam folgende Antwort:
„Die Personengruppe der Zielgruppe der Vegetarier ist, wie Sie vermutet hatten, für die Deutsche Bahn AG und deren Bordgastronomie keine schwierige Personengruppe. Vielmehr liegt die Schwierigkeit in der Definition des Wortes Vegetarier. Umgangssprachlich wird davon ausgegangen, dass die Speisen für Vegetarier kein Fleisch enthalten sollen, wobei Fisch jedoch als vegetarisch akzeptiert wird.
Aus diesem Grunde hatten wir Sie in unseren vorangegangen E-Mails auf eine Abstimmung zu den Gerichten für unsere Bordgastronomie hingewiesen. So haben Sie dann auch als Nutzerin unserer Bordgastronomie Einfluss auf unser Angebot.
Bitte sehen Sie uns nach, dass wir aufgrund fehlender verbindlicher Vorgaben für die Definition des Vegetarismus noch nicht in der Lage sind unser Angebot diesbezüglich auszuweiten.
Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und wünschen Ihren nächsten Fahrten mit der Deutschen Bahn AG einen guten Verlauf.“

Danke, Deutsche Bahn. Das ist die dritte Mail mit dem gleichen Inhalt wie die beiden davor. Ohne Argumente, nur umformuliert.
Also werde ich gleich ein viertes Mal nachfragen. Ich halte es einfach und kurz.
„Liebe Deutsche Bahn,
wie Sie selbst schreiben, essen die meisten Vegetarier weder Fisch noch Fleisch. Es wäre ein Leichtes, fisch- und fleischlose Gerichte anzubieten. Natürlich können Sie darüber hinaus auch noch eine Alternative anbieten, die auch Fisch beinhaltet – machen Sie aber bisher nicht.
Genaue Definitionen finden Sie übrigens unter www.ernaehrung.de.
Die Deutsche Bahn hat selbst in einem Videoclip dazu aufgerufen, aus Umweltschutzgründen auf Fleisch zu verzichten. Warum wird das nicht konsequent umgesetzt, zumal die vegetarische Ernährung für Nicht-Vegetarier eine gesunde Alternative bietet.
Ich würde mich sehr über Taten freuen. Stattdessen weisen Sie wiederholt darauf hin, dass Sie den Begriff Vegetarier nicht eindeutig definieren können – obwohl Sie es eigentlich doch selbst schon beantwortet haben.“

Nachtrag, 6.12.2011:
So, damit gibt die Deutsche Bahn also auf:
„Es tut uns leid, dass Sie mit unseren Antworten nicht zufrieden sind.
Gerne stehen wir Ihnen für Ihre Fragen, Ihr Lob und Ihre Kritik zur Verfügung. Wir bitten Sie jedoch um Verständnis, dass wir von weiteren Äußerungen zu diesem Thema absehen.“

Keine Aussage ist auch eine Aussage.

Update, 5.3.12:
Es geht dann wohl doch! Nun hat die Bahn immerhin ein vegetarisches Angebot: Pfifferlingsragout mit Semmelknödeln.

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4 Gedanken zu “Mailverkehr mit der Deutschen Bahn

  1. Anonymous

    Haha. Entschuldige, aber ich musste schon sehr über deine Ausführungen schmunzeln.
    Sehr traurig, dass du anscheinend nichts besseres zu tun hast, als dich über solche Belanglosigkeiten zu echauffieren, oder fast schon lächerlich.
    Vielleicht würde als Gegenmaßnahme helfen, arbeiten zu gehen.

  2. Sara

    Belanglosigkeit ist relativ. Ich finde es sinnvoll, auch im Kleinen was zu bewegen. Und immerhin beschäftigt sich auch die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt mir dieser Aktion.
    Und beruflich bin ich übrigens bei Greenpeace – dort habe ich zuletzt in der Kampagne gegen den Castortransport nach Gorleben gearbeitet. Das zum Thema Gegenmaßnahme 🙂

  3. Anonymous

    @anderer Anonym
    Was ist belanglos daran wenn man von einer Bahn AG mit knapp 300.000 Mitarbeitern erwarten kann Vegetarismus als fleischfreie Kost definieren zu können. Für mich ist es auch belanglos, da ich Fleisch esse. In einem Blog der vegetarierlastig ist, eine Bloggerin frontal anzugreifen ist wohl unverständlich. Die Bahn hat es wohl endlich verstanden und auch das Rindfleisch aus der Waldpilzsauce genommen. Ich finde den Mailverkehr mit der DB sehr amüsant.

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