Erste Liebe

Langsam neigt sich meine Zeit in Münster dem Ende entgegen. Ich fühle mich dabei an die Trennung von meiner ersten Liebe erinnert: Man hatte eine schöne Zeit zusammen, ist jetzt aber seit langem voneinander genervt und weiß, dass man zusammen nicht mehr glücklich werden kann. Dennoch denkt man an all die Vorteile, wenn man den Abschied vor Augen hat. Gewöhnung, Bequemlichkeit, Vorhersehbarkeit sind einige davon.
Als ich zum Studieren nach Münster ging, war ich wirklich verliebt. Die Stadt ist wunderschön und für ein Dorfkind wie mich kein Kulturschock wie andere Großstädte.
Nunmehr sechs Jahre hier haben mir gezeigt, dass Münster zum einen richtige
Studenten- und Rentnerstadt ist. Die Angebote an Konzerten, Veranstaltungen, Cafés und Kneipen sind recht dünn gesäht. Sobald man kein Student mehr ist, gehen auch die WG-Partys in Kochabende über, bei denen jedes Mal einer mehr fehlt, da nach und nach alle die Stadt verlassen. Arbeit gibt es eher für Ärzte und Juristen, nicht für Sozialwissenschaftler.
Zum anderen, und das ist auch der Grund, warum meine Liebe verloren ging: Die Menschen hier können sehr starrköpfig und konservativ sein. Viele Bürger sind gegen die Einführung des vegetarischen Donnerstag mit der Begründung, sie ließen sich ihren Fleischkonsum nicht verbieten (dabei ging es einzig darum, an einem Tag in der Woche das vegetarische Angebot zu erhöhen) oder versuchen, das Grillen am Aasee zu verhindern. Hier gehen die Menschen in Tommy Hilfiger (Studenten) und Burberry (Verdiener) gekleidet am Samstag auf den Markt, essen Erbsensuppe mit Wurst für 5 Euro („mal was bodenständiges“), trinken danach einen Sekt in den Arkaden und schauen sich dann den BMW-Sailing-Cup am Aasee an. Hier holt sich sogar die Linkspartei mittags einen Doppelwhopper von McDonalds! Innovative Ideen, nette Menschen und Orte gibt es natürlich auch in Münster (Grüne Wiese, SpecOPs, Peperoni, f24 oder Medium, um nur einige zu nennen. Dennoch habe ich oft das Gefühl, viele Menschen hier denken, alle Orte wären wie Münster: sicher, sauber, wohlhabend. Und dann wünsche ich mir mehr Elan der Stadt, etwas zu bewegen.
Trotzdem wird mir auch einiges fehlen. Der Fahrradhighway (Promenade), die Käsetüte vom Wochenmarkt, der Kaffee in der Röstbar, der beste Fahrradhändler (der einzige, der Kunden nicht abzockt und dazu noch freundlich und kompetent ist- danach habe ich hier über vier Jahre gesucht) und das leckere Pinkus sind nicht so leicht ersetzbar.
Aber ich glaube daran, dass es nicht nur eine Liebe im Leben gibt. Genauer gesagt, weiß ich es sogar. Über meine neue Liebe werde ich in Kürze berichten. Einen ersten Hinweis gibt es aber schon!

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3 Gedanken zu “Erste Liebe

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