Hindurchgelesen!


In der Reihenfolge, wie ich meine Urlaubslektüre gelesen habe, werde ich sie hier kurz rezensieren. (Da die Inhalte schon hinreichend beschrieben sind, beschränke ich mich auf Links dazu). Ich dachte an einen einfachen Einstieg und begann mit Alles Glück kommt nie (Anna Gavalda, 2010). Leider ist es lange nicht so gut wie „Zusammen ist man weniger allein“ von der Autorin. Möglicherweise ging viel vom ursprünglichen Charme durch die Übersetzung aus dem Französischen verloren, was aber nicht aufwiegen kann, dass die Geschichte irgendwie vor sich hintröpfelt und ich nicht wirklich gefangen war.
Bester Satz: „Glück ist platt, abgeschmackt, boring, und immer auch anstrengend. Glück langweilt den Leser.“
Etwas enttäuscht machte ich mich dann an Billard um halbzehn (Heinrich Böll, 1959). Darf man (ich) Böll kritisieren? Ich schiebe mir selbst die Schuld zu: Dieser Roman ist keine Urlaubslektüre, sondern gehört eher zu Kerzenlicht und Tee im Winter und braucht vor allem konzentrierte Stimmung. Ich quälte mich mehr oder weniger durch diese klassische Nachkriegsliteratur, denn Böll hetzt ohne Punkte durch das Buch, reiht Nebensatz an Nebensatz, die Erzählstränge wechseln oft die Zeiten, laufen parallel, vorwärts und rückwärts. Ich werde noch einige andere Bücher von Böll lesen, um mir hier ein besseres Urteil erlauben zu können. Trotz allem: Böll besticht durch einfallsreiche Wortkonstruktionen und großartige Zitate.
Bester Satz: „Höflichkeit ist doch die sicherste Form der Verachtung.“
Endlich, endlich, endlich, dann: Ein Buch, das mich nicht mehr losließ: Grenzgang (Stephan Thome, 2010). Den Pressestimmen unter dem Link habe ich nichts entgegenzusetzen. Nur etwas hinzuzufügen; in diesem Buch gibt es die beste Beschreibung von verschiedenen Milieus anhand von Badezimmern! Das Leben im Dorf wird so treffend beschrieben, wie es nur jemand nachfühlen kann, der selbst einmal dort gewohnt hat. Und zwar, ohne ins Lächerliche abzudriften, wie es etwa „Dorfpunks“ oder ähnliche Bücher beschreiben. Auch hier vermischen sich verschiedenen Zeitebenen, werden dabei aber auf spannende Weise verknüpft und regen zur Reflektion der eigenen Lebensgeschichte an. Unbedingt lesen!
Bester Satz: „Jedes Jahr im Frühling gibt es einen Tag, an dem sie das Gefühl hat, der nächste Sommer ziehe wie ein großes Versprechen herauf, reite ihr von den grünglänzenden Bergrücken am Horizont entgegen, und obwohl sie es besser weiß, lässt sie sich verzaubern von seinem Anblick und ist machtlos gegen den Glauben, dass in diesem Sommer alles besser wird.“

Zum Abschluss las ich dann noch einen Klassiker. Die Buddenbrooks (Thomas Mann, 1901) hatte ich mir nur deswegen aufgehoben, da ich damit rechnete, mich durch eben dieses quälen zu müssen, aber es aus Ehrgeiz und Pflichtgefühl doch irgendwann mal gelesen haben zu müssen. Und dann begann ich – und hörte stundenlang nicht auf. Fast 800 Seiten Familiengeschichte beschreiben nicht nur das Leben, die Mode, die Einrichtung und das Essen der damaligen Zeit, das Buch strotzt auch vor Ironie und begeisterte mich mit diversen Dialekten.
Bester Satz: „Allein das war ein trügerischer Trost, denn war die Höhe der Ferien erreicht, so ging es abwärts und gegen Ende, schnell, so fürchterlich schnell, dass er sich an jede Stunde hätte klammern mögen, um sie nicht vorüber zu lassen, und jeden Seeluft-Atemzug verlangsamen, um das Glück nicht achtlos zu vergeuden.“

Das Foto übrigens zeigt den Ausblick, den ich sah, wenn ich meine Augen kurz von einem der Bücher lösen konnte. Und war auch der Grund, warum ich das fünfte Buch (Haruki Murakami: Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah) nicht mehr geschafft habe. Zurück in Münster macht das Wetter allerdings Lust, es sich auf dem Sofa mit weiterer Lektüre gemütlich zu machen!

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