Die Bösen "da oben"

Es wird gemeckert, gestreikt und geschimpft. Nicht ohne Grund regt sich unter Studierenden Widerstand gegen die Studienbedingungen, zumal sich mit den Studiengebühren auch der Druck erhöht hat, schnell mit dem Studium fertig zu werden. Besonders für Bafögempfänger gilt es, keine Zeit zu verlieren, um weiter einen Anspruch auf die Förderung zu haben. Aber durch überfüllte Seminare, zuviel Stoff in kurzer Zeit und hohe Klausurdichte sind viele Studierende überfordert.
Diese Probleme sind größtenteils offensichtlich. Sie wurden vielfach in den Medien und in den Institutionen der Studierendenschaft diskutiert. Und oft wird das Thema dabei simplifiziert: Es könnte alles so einfach sein, wenn die Politiker und das Rektorat nur nicht immer gegen die Studenten (und Studentinnen, ja verdammt) wären. Als hätten diese nicht besseres zu tun, als die Studenten zu schikanieren und sich immer neue Gemeinheiten auszudenken. Die durchaus gut gemeinten, wenn auch nicht immer ideal umgesetzten Reformen des Studiums werden als Bosheiten von „denen da oben“ dargestellt.
Dabei wird übersehen, dass die Institutionen der Uni und auch die Politik vieles tun, um die Lehre zu verbessern: Das Bildungsministerium schreibt regelmäßige Evaluationen vor. Kürzlich erst wurde das Bafög reformiert, so dass es etwa mehr Geld und höhere Freibeträge gibt. Und die generelle Idee hinter dem Bachelor-/Mastersystem, schneller und international zu studieren, ist nicht verkehrt. Unis und FHs bilden Arbeitskreise zum Qualitätsmanagement, die sich qualifiziert und motiviert für die Verbesserung der Lehre einsetzen. Bei letzterem spreche ich aus Erfahrung, denn ich bin seit nunmehr drei Jahren bei der FH Münster in eben diesem Bereich tätig und stelle dabei fest, dass die Lehrenden sehr genau über die Probleme ihres Fachbereichs informiert sind und sie zu lösen versuchen. Nicht nur für die bessere Studierbarkeit setzt sich dieser Arbeitskreis ein, auch die Ausstattung soll verbessert werden.
Der am häufigsten vorgebrachte Kritikpunkt der Studierenden sind die Studiengebühren. Die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit oder der Höhe der Beiträge sind sehr wohl diskussionswürdig. Trotzdessen erlebe ich mit, wie mit diesen, momentan nun einmal vorhandenen Geldern, von „den Bösen da oben“ umgegangen wird. Verantwortungsvoll und transparent, zumindest was die FH anbelangt. In langen Verfahren müssen Anträge gestellt und geprüft werden. Die auch von den Studierenden vorgeschlagen und initiiert werden können! Nach dem Entschluss können Einsatz und Höhe der Gelder auf den Webseiten der Hochschule von allen Studierenden angesehen werden.
Natürlich ist gut gemeint nicht immer auch gut gemacht. Es gibt vieles zu kritisieren und zu verbessern. Dieses aber sehr wohl auf beiden Seiten. Denn mal ehrlich: Nicht jeder Student nagt am Hungertuch und ist chronisch überarbeitet. Und die Verantwortung von sich wegzuschieben auf die böse Politik oder das böse Rektorat ist ein einfacher, aber kein konstruktiver Weg. Ebenso helfen populistische Forderungen nach der Abschaffung von BA und MA nicht weiter. Was wir brauchen, sind Gespräche in den Fachbereichen. Eine gute Kommunikation zwischen Professoren und Studenten ist die effektivste Variante, um viele Probleme auf der niedrigsten Ebene zu lösen und bürokratische Hürden auch mal einfach zu umgehen. Die Fronten zwischen „oben“ und „unten“ zu verhärten, wohl nicht.

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4 Gedanken zu “Die Bösen "da oben"

  1. Christian

    Heute war Bologna-Tag an der WWU: Jede Studentin und jeder Student, der bzw. dem es aufgrund der neuen Studiengänge finanziell, zeitlich, gesundheitlich etc. schlecht geht, hätte heute die Gelegenheit gehabt, ins Schloss zu gehen, um in den angebotenen Workshops auf seine schlechte Lage aufmerksam zu machen und zusammen mit Profs, Verwaltung etc. konstuktiv Verbesserungs- und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Von über 38.000 Studierenden waren aber nur schätzungsweise 100 da. Jetzt mal ehrlich: So schlimm kann es doch gar nicht sein, oder?! Und wenn doch, dann gilt: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner! Wenn man selbst schon nicht bereit ist, für die Lösung seiner eigenen Probleme einzutreten, warum sollten es dann die anderen tun?

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