Ein paar Gedanken über das Alter

Es war soweit: Jetzt bin ich 25. Ein Vierteljahrhundert. So alt wie der Commodore 64, wie der Videotext, wie Greenpeace und wie der Fund von Hitlers angeblichen Tagebüchern. In meinem Geburtsjahr war „Do you really want to hurt me“ von Culture Club auf Platz 1 der Charts, Nena nervte mit ihren 99 Luftballons und Major Tom dudelte auch den ganzen Tag im Radio. Kohl bleibt Kanzler, die Grünen ziehen zum ersten Mal in den Bundestag ein, in Bonn wird gegen den NATO-Doppelbeschluss demonstriert, Microsoft präsentiert in Las Vegas Windows, Louis de Funès stirbt und Modern Talking wird gegründet. Michael Jackson hat noch seine normale Hautfarbe und mag auch noch Frauen. Im Kino liefen Rambo und Die Supernasen.

Von alldem habe ich natürlich noch nichts mitbekommen, aber der 25. Geburtstag hat mich veranlasst, mal zurückzuschauen und wirft gleichzeitig die Frage auf: Bin ich jetzt erwachsen? Und wenn nicht: Wird es dann nicht mal Zeit?
Ich habe überlegt. Ich habe eine eigene Wohnung, ein Auto, eine Ausbildung und ein fast fertiges Studium, ich habe ungefähr sieben Mal meinen Status bei der Krankenkasse geändert, ich bekomme Zustände, wenn mein nun 13jähriges ehemaliges Babysitterkind mir von Jungs erzählt, bin der Meinung, Fenster sollten immer sauber sein, ziehe Hausschuhe an, wenn ich nach Hause komme, obwohl ich mich 20 Jahre lang dagegen gewehrt habe. Meine älteste Freundin kenne ich seit 23 Jahren, ich sage Dinge wie „Das ist schon zehn Jahre her“, wenn ich über Partys rede, sage zu meiner Mutter, sie soll mehr Obst essen, meinem Papa, er soll ordentlicher werden und meiner Oma, sie soll viel an die frische Luft. Zwei Tage hintereinander Party strengen mich so an, dass ich danach einen Tag auf dem Sofa brauche und Mittagsschlaf mache ich am liebsten jeden Tag. Ich habe auf einmal Spaß an Spaziergängen und finde McDonalds nicht mehr lecker.
Auf der anderen Seite: mein Auto und meine Wohnung werden vom Bafögamt und von meinen Eltern finanziert, mein Studium besteht meist nur in der Klausurenphase aus wirklich harter Arbeit, mein Rad ist so bunt, dass es mir vor ein paar Jahren peinlich gewesen wäre, ich kann mich immer noch die Hälfte des Tages von Schokolade ernähren, lass mir von meiner Mama sagen, was ich anziehen soll (sie hat Geschmack und endlich kann ich es würdigen!), Papa muss mir meine Regale anbringen und Oma macht mir Milchreis und sagt, ich soll anrufen, wenn ich zurück nach Münster fahre und angekommen bin.
Partys, zumindest die wirklich guten, dauern bis sechs Uhr morgens, Musik muss laut und Aufstehen vor 11 Uhr morgens ist nicht mein Ding. Wein für 1,99 Euro vom Aldi reicht vollkommen und zum Einschlafen brauche ich Hörspielkassetten.
Ich komme also zu dem Ergebnis: Ich bin noch nicht erwachsen, aber vielleicht auf dem Weg dahin. Die Soziologen haben festgestellt, dass die Jugendphase immer länger dauert und bis Mitte 30 gehen kann, also liege ich gut in der Zeit.
Das WG- und Studenten-Leben ist super und könnte gern noch länger dauern und ich hoffe, einige der Dinge, die mich als „jugendlich“ auszeichnen, werde ich niemals ablegen, denn wie mein ehemaliger Mitbewohner so schön sagte: „WAS SPASS MACHT IST VERBOTEN ODER TÖDLICH ALSO LASS JUCKEN!“
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2 Gedanken zu “Ein paar Gedanken über das Alter

  1. julia

    Hey, du reflektierst, und das ist eine eindeutig erwachsene eigenschaft 😉 ich würde dir auch bescheinigen dass du auf einem guten weg bist. und wenn es dir zu schnell gehen sollte umgieb dich einfach mit mehr so „jungen hüpfern“ (hust) wie uns 😉aber dein text ist super!

  2. Goldrausch am Klondike

    Tja das lese ich ja genau am richtigen Tag. Schwer zu sagen was alt und jung auszeichnet,aber auch wenn man das Altern nicht stoppen kann, sollt man im richtigen Maße ein bisschen Kind an sich bewahren.In diesem Sinne Vgvgvgvg

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