Wenn Joggen zum Spießrutenlauf wird

Oder: Was Sport mit Gleichberechtigung zu tun hat.

Nachdem ich ein paar Tage in Folge beim Laufen blöd angequatscht wurde, postete ich diesen Kommentar auf Facebook:

Da ich erst seit 10 Jahren mehrmals die Woche jogge, zweimal Marathon, fünfmal Halbmarathon und diverse andere Wettkämpfe lief und somit blutige Anfängerin bin, bin ich so unglaublich DANKBAR dafür, dass mich fremde Männer beim Joggen ansprechen und mir ungefragt wertvolle Tipps geben.

So wie heute, als mir ein Mann mittleren Alters riet, niemals stehen zu bleiben (und stattdessen über die rote Ampel zu laufen, an der ich stehen blieb und ihn einige Meter weiter locker überholte, woraufhin er tief getroffen ein „Ohhh…“ von sich gab.) Oder so wie gestern, als ein Mittfünfziger mich aufklärte, dass ich „es nicht nötig habe, Sport zu treiben“, da ich ja „so eine gute Figur“ habe.

Morgen gegen 11 Uhr werde ich an der Alster laufen und würde mich über weitere hilfreiche Bemerkungen zur Optimierung meines Körpers freuen.

Ich laufe übrigens einen Schnitt von 5 Min/km. Wem das zu schnell ist, darf Bemerkungen auch gern in die Kommentare posten.

Nahezu alle Kommentare waren positiv und da der Post von mir die eher lustigen Erlebnisse abbildet, verwundert das nicht. Ein Bekannter schrieb aber darunter:

Wow! Die Sara Westerhaus kann es! Ist schnell und schön. Und schön schnell. Gut, dass nun alle es wissen, die es bislang nur gahnt haben, wie schnell und gut sie ist. Wow!

Da wurde mir wieder klar: Da hat es jemand so gar nicht verstanden. Es ging nicht eine Selbstbeweihräucherung (dann hätte ich ein halbnacktes Selfie und meine Bestzeit posten können), sondern darum, dass ich verdammt noch mal einfach in Ruhe laufen will.

Die blöden Sprüche an der Ampel sind nur die eine Seite. Die andere Seite ist nicht im Ansatz lustig. Und noch weniger sind es die Reaktionen darauf. Die andere Seite ist: Verfolgt und begrapscht werden. Nicht in in Ausnahmefällen, sondern in der Regel.

Beim Strandurlaub wurde ich beim Joggen TÄGLICH verfolgt. Männer und Jungs liefen neben mir her und riefen mir Sprüche zu. Beim Joggen in Spanien, wo ich mehrmals Urlaub machte und viel joggen ging, fuhren Männer – oft in Gruppen – im Schritttempo neben mir her, hupten und forderten mich auf, einzusteigen. Beim Joggen im konservativen Münster war es an der Tagesordnung, dass mir hinterher gehupt wurde. Radfahrer fahren neben mir her und rufen anzügliche Dinge. Einer fuhr sogar an mir vorbei und schlug mir währenddessen auf den Hintern.

Es nervt. Es frustriert. Und trotzdem weiß ich: Ich bin immerhin eine Frau, die sich wehrt. Die weiß, dass das Verhalten der Männer nicht ok ist und die es gegebenenfalls ignoriert. Die Likes für einen Post bekommt, wenn sie sich über die Sprüche aufregt. Und in den Ausnahmefällen, in denen mir Männer gesagt haben, ich solle „das doch als Kompliment auffassen“, wenn mir hinterhergepfiffen wird (WTF?!), fange ich eben eine Diskussion an.

Viele junge Mädchen und auch Frauen haben den Mut aber vielleicht nicht. Weil sie in Gesellschaften aufwachsen, in denen Frauen und Mädchen eh schon keine Rechte haben. Oder weil sie sich eh schon zum Sport überwinden müssen, weil sie sich in ihrem Körper vielleicht nicht so wohlfühlen. Weil die Sprüche vielleicht keine netten sind, sondern Beleidigungen. Und diese Frauen und Mädchen trauen sich dann vielleicht nicht mehr, in der Öffentlichkeit Sport zu machen.

Blogparade #ichliebemeinenJob

Ich bin Referentin für Online-Kommunikation bei einer internationalen Nichtregierungsorganisation. Kein Berufswunsch, den ich schon als Kind hatte. Denn: Online gab es noch nicht wirklich und was NGOs überhaupt sind, wusste ich auch nicht. In der Rückschau allerdings wird mir bewusst, dass ich nicht nur ständig meine Nase in Bücher gesteckt, sondern auch viel geschrieben habe. Eine Leidenschaft für Kommunikation wurde mir auch schon in der zweiten Klasse bestätigt, als es im Zeugnis hieß: „Sara konnte ihren Äußerungsdrang nicht immer steuern“ – diesen Euphemismus für „Das Kind kann seinen Schnabel nicht halten“ werde ich wohl nie vergessen.

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Der wurde mir mal mehr, mal weniger zum Verhängnis, denn die Kombination mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn führt dazu, dass ich mich häufiger mal mit Lehrer*innen in die Haare bekam, wenn diese Mitschüler*innen unfair behandelten. Bis ich allerdings bei meinem jetzigen Job landete, dauerte es doch noch etwas.

Nach dem Abi machte ich zunächst eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien – das Wort „Digital“ deutete schon die Richtung an. Nachdem ich meine Ausbildungszeit aber hauptsächlich damit verbringen musste, Etiketten von Wurstverpackungen zu designen, wurde mir schnell klar, dass ich mich inhaltlicher austoben will. Also entschied ich mich, Soziologie zu studieren. Da ich gern nach Münster wollte, musste ich ein zweites Studienfach wählen. Hier spielte dann der Zufall (und das Internet) eine große Rolle: Da ich wirklich und wahrhaftig keinen PC zuhause hatte, musste ich die Online-Bewerbung bei einer Freundin machen. Dort sollte ich das Zweitfach anklicken, von dem ich bisher noch nichts gewusst hatte. Erziehungswissenschaften? Deutsch? Religion? BWL? Alles nicht so meins, also klickte ich ohne viel Vorwissen, was mich genau erwartet, auf  Politikwissenschaften. Beruflich gesehen, eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Das Studium war anspruchsvoll, aber unglaublich spannend. Und auch wenn es platt klingt: Die Erkenntnisse haben mich wirklich geprägt.

Je weiter das Studium voranschritt, desto klarer wurde mir: Ich habe meine Berufung gefunden. Ich arbeitete ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe, bei Greenpeace und später bei der Aidshilfe. Im Studium fokussierte ich mich auf den Schwerpunkt NGOs, Arbeitsmarktpolitik und politische Soziologie.

Mittlerweile waren StudiVZ und MySpace schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Dafür hielten Twitter, Facebook und Blogs Einzug in meinen Alltag. Das fand ich so spannend, dass ich in meiner Masterarbeit untersuchte, ob NGOs durch soziale Netzwerke ihr oft beklagtes Demokratiedefizit – da sie nicht von der Bevölkerung gewählt sind – ausgleichen können. Eine komplexe Fragestellung, die mit einigem Abstand und der Entwicklung der sozialen Netzwerke mittlerweile sicher anders beantwortet werden müsste.

Nach dem Abschluss konnte ich meine Theorie in der Praxis überprüfen. Nach einem Jahr als Projektmitarbeiterin in der FH Münster fing ich bei Greenpeace als Web-Campaignerin an und begleitete verschiedene Kampagnen online. Ohne journalistische Ausbildung, aber mit jahrelanger Erfahrung als Bloggerin und ehrenamtlicher Greenpeace-Sprecherin in Münster war der Sprung ins Wasser damit immerhin lauwarm – und beim Schwimmen wird einem ja eh warm. Nach drei Jahren mit vielen spektakulären Aktionen, einigen Nachtschichten und viel neuem Wissen wechselte ich im Dezember 2014 zu Plan International Deutschland und bin seitdem dort als Referentin für Online-Kommunikation für alles rund um News und Social Media zuständig.

Die Frage „Liebst du deinen Job?“ würde ich also mit „Ja“ beantworten. Warum? Weil ich durch meine Arbeit die Welt verbessern kann, weil ich im Job viel lesen und schreiben darf und im ständigen Austausch über die sozialen Netzwerke bin. Das ist manchmal anstrengend, aber immer wieder spannend. Und jetzt muss ich los zur Arbeit 🙂

Befristete Jobs: Warum Unternehmen endlich damit aufhören sollten

Ein Arbeitsvertrag über zwei Monate, verlängert um noch einmal zwei, übergehend in eine Elternzeitvertretung und im Anschluss ein halbes Dutzend weitere Befristungen – alles bei einem einzigen Unternehmen. Eine Ausnahme? Nein, leider der Regelfall – zum Schaden von Mitarbeiter*innen und Arbeitgebern.

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Von Befristung zu Befristung

Wenn es ein Merkmal unserer Generation gibt, dann das der Ordner mit den Arbeitsverträgen oft dicker ist als der mit den Verdienstabrechnungen. Zumindest für Geisteswissenschaftler ist es der Normalzustand, dass nach dem Studium eine Befristung die nächste jagt. Ein Zweijahresvertrag gilt schon als Luxus. Das betrifft nicht nur Krankheits- oder Elternzeitvertretungen, sondern dehnt sich auch auf normale Beschäftigungsverhältnisse aus. Rein rechtlich ist das verboten: Ohne sachlichen Grund darf ein Vertrag nur dreimal innerhalb einer Zweijahresfrist verlängert werden. Viele Unternehmen finden aber Mittel und Wege, das zu umgehen oder ignorieren es schlicht – und gerade Berufsanfängern bleibt oft keine andere Wahl, als sich auf das Spiel einzulassen. Doch warum nutzen Unternehmen die wiederholte Befristung überhaupt? Für mich steht fest: Langfristig schadet es den Unternehmen, ihren Mitarbeitern immer wieder neue Verträge zu geben.

1. Zwischen zwei Stühlen

Das Absurde an Arbeitsverträgen, die nur ein paar Wochen dauern, ist: Man unterschreibt sie und muss zeitgleich beim Arbeitsamt melden, dass man wieder arbeitssuchend ist. Denn wer keine Nachteile beim Arbeitslosengeld I bekommen will, muss sich mindestens drei Monate vor Vertragsende beim Arbeitsamt melden. Der Kopf kann nicht bei einem Projekt sein, wenn der Hinterkopf sich schon um Bewerbungen und Papierkram mit dem Arbeitsamt kümmern muss. In der Folge heißt das: Viele Mitarbeiter sind so oft hintereinander befristet, dass sie zwar mehrere Jahre bei einem Unternehmen angestellt, aber dauerhaft arbeitssuchend gemeldet sind. Wer konzentrierte Mitarbeiter haben will, sollte ihnen eine Perspektive bieten.

2. Verlust von Wissen für das Unternehmen

Insbesondere im ersten halben Jahr muss ein Unternehmen eine neue Mitarbeiterin oder einen neuen Mitarbeiter erst einmal einarbeiten. Bis man alle Abläufe und Strukturen in einem Unternehmen kennt, dauert es eben. Und gerade erfahrene Mitarbeiter sind wertvoll für ein Unternehmen. Gehen sie schnell wieder, verschwindet auch viel Expertise. Chefinnen und Chefs sollte klar sein: Winkt Mitarbeitern irgendwo ein Vertrag, der unbefristet ist oder wenigstens auf mehrere Jahre befristet ist, verlassen sie den Job für den, der ihnen mehr Sicherheit bietet.

3. Unsicherheit auch im Privatleben

Eine Wohnung zu mieten ist fast aussichtslos: Vermieter wollen feste Verträge sehen. Und: Wo sollte man überhaupt eine Wohnung mieten, wenn eh nicht klar ist, wie lange man noch in dem Stadtteil oder der gar der Stadt arbeitet? Aus dem Koffer zu leben und nach der Arbeit noch nach weiteren Zwischenmietlösungen suchen, zerrt an den Nerven. Von Arbeitnehmern wird gerade bei kurzfristigen Verträgen verlangt, innerhalb von ein bis zwei Wochen die neue Arbeitsstelle anzutreten. In Großstädten wie Hamburg, Berlin, Köln oder München – also da, wo besonders viele Jobs im atypischen Beschäftigungsverhältnis sind – wartet der Wohnungsmarkt nicht gerade auf Neuankömmlinge ohne festen Job. Es ist deswegen keine Seltenheit, dass man wochenlang bei Freunden auf dem Sofa schlafen muss – übernächtigte Mitarbeiter mit mangelnder Privatsphäre bringen sicher nicht die kreativsten Ergebnisse.

4. Planung? Ja, bis zur nächste Woche

Arbeitsverträge, die so kurz sind und keinerlei private Planung zulassen, haben für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitreichende Konsequenzen: Oft umfasst etwa der Urlaubsanspruch nur wenige Tage, so dass ein längerer Urlaub am Stück unmöglich wird und irgendwann die Kraft für die Arbeit zur Neige geht. Das kann man kurzfristig durchhalten, aber nicht über Jahre. Schwierig wird es vor allem für Paare, noch schwieriger für Paare in Fernbeziehungen. Und wer nicht weiß, ob er im nächsten Monat noch einen Job hat, denkt erst recht nicht an Kinder. Klar, dass qualifizierte Mitarbeiter dann schnell das Weite suchen, auch wenn es ihnen grundsätzlich im Job gefällt.

5. Fehlende Wertschätzung der Mitarbeiter

Wertschätzung ist für viele Arbeitnehmer eine größere Motivation als das Gehalt. Bei kurzen Verträgen kommt sie aber viel zu kurz. Hier habe ich schon alles erlebt: Erste Arbeitstage, ohne dass ein Schreibtisch vorhanden war oder eine Mail-Adresse eingerichtet wurde. Einarbeitungsrunden, an denen nur Festangestellte teilnehmen, weil die Projektmitarbeiter schlicht vergessen wurden. Arbeitsverträge, die erst einen Monat nach Beginn des Arbeitsverhältnisses vorlagen. Was bleibt, ist ein fader Beigeschmack, nicht gut behandelt worden zu sein – nicht gerade förderlich für den Ruf eines Unternehmens, gerade in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit groß geschrieben wird.

10 Tipps für ein erfolgreiches Marathontraining

42 Kilometer am Stück laufen. Warum macht das jemand freiwillig? Weil es spannend ist, an seine Grenzen zu gehen. Nicht nur für den Körper, auch für den Kopf. Denn nur, wenn man es will und an sich selbst glaubt, kann man diese Herausforderung bewältigen.

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Das Training ist vor allem Kopfsache

Sich auf einen Marathon vorbereiten, geht das überhaupt mit einem Vollzeitjob? Ja. Ich habe es zweimal erfolgreich geschafft – obwohl ich keinen Nine-to-five-Job habe. Vielleicht helfen euch meine Erfahrungen, den Mut zu sammeln, auch einen Marathon in Angriff zu nehmen. Und wenn nicht: Viele Tipps sind auch hilfreich, wenn es darum geht, Sport in den Alltag zu integrieren.

1. Such dir den passenden Zeitpunkt

Drei Monate zu finden, in denen beruflich und privat nichts passiert, dürfte unmöglich sein. Wenn aber schon absehbar ist, dass in dieser Zeit ein wichtiges Projekt vor dem Abschluss steht, ein Umzug geplant ist oder ein Jobwechsel ansteht, kostet das Zeit und Nerven, die dann im Training fehlen. Meinen ersten geplanten Marathon habe ich deswegen auch um ein Jahr verschoben: Mein Job in Münster endete und ich bin nach Hamburg umgezogen. Das Jahr drauf war die Trainingsphase zwar auch nicht ruhig, aber immerhin etwas berechenbarer.

2. Mach einen Plan und halte ihn flexibel

Ein Marathontraining dauert in der Regel zwölf Wochen. Je nach Trainingsplan trainiert man vier bis fünf Mal die Woche – davon einmal am Wochenende, meist am Sonntag, etwa zwei bis drei Stunden. Passende Pläne gibt es im Internet oder in meinen beiden Lieblingsbüchern „Die Laufbibel“ und „Das große Laufbuch“. Wenn du dich für einen passenden Plan entschieden hast, trage alle (!) Trainingseinheiten in deinen Kalender ein. Nur dann hast du eine gute Übersicht, wo und wann der Plan mit anderen Terminen kollidiert und kannst entsprechend umplanen. Und habe keine falsche Scheu, diese Einheiten etwas flexibel zu gestalten. Niemand scheitert am Marathon, weil er oder sie den 15-Kilometer-Lauf Dienstag statt Donnerstag macht.

3. Weihe Kollegen, Freunde und Familie ein

Ohne Unterstützung geht es nicht! Wenn du dich jedes Mal rechtfertigen musst, weil du abends beim Training statt beim Feierabendbier dabei bist, vermiest dir dein schlechtes Gewissen den Lauf. Gerade beim ersten Marathon ist der moralische Support in Krisen (und die werden kommen) unerlässlich. Ich erinnere mich noch an den Moment im ersten Marathontraining, als ich einen echten Hänger hatte. Stress privat, Stress im Job, gesundheitliche Probleme im Training. Dann kam ich morgens zur Arbeit und meine damalige Chefin hat meine kompletten Schreibtisch mit Energieriegeln übersät und ein Schildchen daneben deponiert: „Noch sieben Tage. Du schaffst das!“ Als ich dann endlich lief, standen Kolleginnen, Kollegen, Freunde und Familie am Rand und haben mich angefeuert. Das trägt dich, wenn dein Kopf oder Körper schwächeln.

4. Pack die Laufschuhe ein

Das Allerbeste am Laufen ist: Du kannst es immer und überall machen. Falls also eine Geschäftsreise ansteht, nimm die Laufsachen mit, recherchiere vorher eine geeignete Strecke und lauf los. So siehst du auch mehr von der Stadt als nur den Weg vom Bahnhof zum Hotel. Wenn du abends oft nicht pünktlich aus dem Büro kommst, versuche, morgens oder in der Mittagspause zu laufen.

5. Rede mit anderen Läuferinnen und Läufern

Wahrscheinlich überkommt dich spätestens nach der Halbzeit die Panik und du fragst dich, warum du dir das antust und ob du es wirklich über die Ziellinie schaffen wirst. Dann ist es gut, sich mit erfahrenen Läuferinnen und Läufern auszutauschen, die dein Laufpensum und Trainingsstand einschätzen können.

6. Triff Menschen, die keine Ahnung vom Laufen haben

Es kann sich nicht alles nur um die Arbeit und das Laufen drehen. Verabrede dich mit Freunden, rede über andere Dinge, schalte ab.

7. Höre auf deinen Körper

Mir ging es oft so, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste mich penibel an die Trainingspläne halten. Es gibt aber (Arbeits-)Tage, die sind einfach so anstrengend, dass abends einfach die Kraft fehlt, noch das anstehende 60-minütige Intervalltraining zu absolvieren. Es ist besser, das Training dann mit halber Power zu machen und auch mal ausfallen zu lassen. Starte im Zweifel lieber etwas untertrainiert als völlig ausgepowert in den Marathon.

8. Plane deine Mahlzeiten

Job und Training nehmen viel Zeit in Anspruch. Versuche, einmal die Woche grob zu planen, was und wann du am besten an den Trainingstagen essen kannst. Am besten versuchst du, keine allzu großen Portionen zu essen, sondern den Tag über immer relativ satt zu sein. Sonst passiert es vielleicht, dass du nach der Arbeit ausgehungert bist, trainieren willst und keine Snacks da hast, die dich über das Training tragen. Und vorher aus der Not heraus Fast Food zu essen und mit vollem Bauch zu laufen ist genauso ungünstig wie unterzuckert zu sein. Ich hatte immer einen Vorrat an Bananen, Trockenfrüchten und Nüssen da. Auch eine überraschend gute Notlösung: Ein paar Salzstangen.

9. Sei nicht so streng

Klar, eine gesunde Ernährung ist die Grundlage, damit dein Körper die Belastung verkraftet. Ich halte den kompletten Verzicht auf Zucker, Alkohol und Fast Food aber für Schwachsinn. Das Training ist eh anstrengend genug – da muss man sich nicht auch noch mit Askese zusätzlich stressen. Aber: Alles in Maßen und lieber nach dem Training.

10. Belohne dich

Überlege dir, wie du dich nach dem Marathon belohnen willst. Ich habe mir den Tag danach immer frei genommen und mir eine Massage gegönnt. Die Vorfreude darauf hilft beim Lauf!

Schokofondue to go

Wenn ich als Kind über die Kirmes ging, holte ich mir jedesmal einen Apfel mit Schokoglasur. Genau, die sauren Granny Smith am Stiel, die umhüllt waren von einer dicken Schicht Vollmilchschokolade. Und auch wenn in Hamburg gefühlt immer Dom ist und ich theoretisch jetzt jederzeit schnell an Schokoäpfel kommen könnte, hat meine Leidenschaft etwas nachgelassen, denn: Die Äpfel sind ziemlich mächtig und die Schokolade ist nicht besonders gut.

Umso erfreuter war ich, als ich neulich auf Stephanies Schokowelt stieß und Apfelchips entdeckte: Bio-Apfelchips vom Bodensee, überzogen mit Bio-Vollmilch-Kuvertüre aus Belgien. Und, fast noch besser, Apfelstückchen mit weißer Schokolade, Vollmich und Zartbitter.

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Das schmeckt sogar noch besser, als es klingt – wie Schokofondue to go sozusagen. Vor allem die Zartbitter-Variante hat es mir angetan; damit kann ich nur schwer nach ein paar Stückchen wieder aufhören. Aber wie sagt man ja: An apple a day keeps the doctor away. Und wo doch jetzt der Herbst im Anmarsch ist, braucht man schließlich genug Vitamine!

Stephanies Schokowelt ist übrigens auch auf Facebook.

Nachhaltigkeit fängt bei uns selbst an

Ich arbeite seit sechs Jahren Vollzeit im NGO-Bereich. Inklusive Überstunden, Wochenend-Bereitschaft und Dienstreisen. Wie schafft man es, in einem Job abzuschalten, der auch Lebensinhalt ist?

Das Klischee, nach dem Arbeiten in sozialen Organisationen heißt, im Wollpullover zur Arbeit zu kommen und sein Hobby zum Beruf zu machen, in dem man hauptberuflich demonstriert und ansonsten mit dem Stress der Wirtschaft wenig zu tun hat, begegnet mir immer noch. Doch durch die zunehmende Professionalisierung von Nichtregierungsorganisationen agieren diese eher wie Unternehmen.

„Wer sich bei einer NGO bewirbt, der weiß, was auf ihn zukommt. Die Grenzen der Selbstausbeutung bestimmt man immer selbst“, sagt ein Interviewteilnehmer einer Studie* über Umwelt-NGOs. Klingt einfach, ist es aber nicht. Der Einsatz für „das Gute“ motiviert natürlich einerseits enorm – andererseits kann die emotionale Betroffenheit, die mit solchen Jobs oft einhergeht, dazu führen, dass die nötige professionelle Distanz fehlt. „Menschen treten vor allem aus innerer Überzeugung in diese Branchen“, so Sharon Oster, Professorin für Management und Unternehmensführung in Yale. Motivierte, idealistische und engagierte Menschen gelten als besonders Burn-out gefährdet.

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Dazu kommt: Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt führt zur Dauererreichbarkeit. Keine neue Erkenntnis; diese Probleme wurden vielfach diskutiert und viele Firmen reagieren darauf, etwa, indem sie Mitarbeiter*innen verbieten, Mails nach Feierabend zu lesen. Umwelt- oder Naturkatastrophen kennen aber kein Wochenende und keinen Feiertag, Kampagnen keine 40-Stunden-Woche und Social Media keinen Feierabend um 17 Uhr.

Wie geht man mit dieser Entgrenzung der Arbeit und schafft es, den Akku wieder aufzuladen?

Klar: Jeder Mensch ist anders und geht auch anders mit Stress um. Ein paar dieser Tipps können aber helfen, den Kopf frei zu bekommen und so wieder neue Energie zu bekommen, um die Welt weiter zu retten:

1.    Freie Zeiten einplanen
Dieser Tipp steht aus gutem Grund ganz oben: Weil er am wichtigsten und am schwersten einzuhalten ist. Aber man braucht Zeiten, in denen klar ist: Jetzt habe ich frei – egal, was passiert. Das hilft schon während stressiger Zeiten im Vorfeld, weil man schon Licht am Ende des Tunnels sieht, wenn man weiß: Bald steht ein langes Wochenende ohne Diensthandy an. Und dann sollte man es auch wirklich durchziehen. Kein Mails-checken im Urlaub, keine Twitter-Mitteilungen überprüfen, kein Blick auf Facebook-Kommentare.

2.    Andere Hobbies suchen
Oft sehe ich spannende Vorträge, Artikel oder Dokumentationen zu Feminismus, Umwelt oder Nachhaltigkeit. Zusätzlich zur Arbeit und gerade in Kampagnenhochphasen tut es aber auch extrem gut, einfach eine banale Zeitschrift zu lesen oder Serien zu gucken. Etwas, das thematisch nichts mit der Arbeit zu tun hat. Ein Hoch auf House of Cards und Gilmore Girls!

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3.    Drüber lachen
Ein Punkt, für den man vor allem eins braucht: Ein gutes Team. Manche Arbeitssituationen sind so stressig, blöd und frustrierend, dass es nur noch eine Möglichkeit gibt: Zusammen mit den Kollegen zynisch sein, lachen und das Ganze nicht mehr ernst nehmen. Oft ist es am Ende dann doch „nur ein Job“.

4.    Den oder die richtigen Vorgesetzten haben
Der Lohn ist gerade bei NGOs kein Antrieb. Anerkennung aber schon. Klar, seine*n Vorgesetzten kann man sich meist nicht aussuchen. Wenn man aber (wie ich) Glück hat und drauf zählen kann, dass die Teamleitung oder Abteilungsleitung uneingeschränkt hinter einem steht und einem auch Auszeiten zugesteht, nimmt das viel von dem Druck, den man sich selber macht.

5.    Sachen sein lassen
Wohl jede*r hat das Idealbild, was man alles machen kann, alles machen sollte und natürlich auch den Anspruch, wie perfekt alles gemacht wird. Manchmal muss man seine Erwartungen aber auch ändern. Man kann sich nicht um alles in der Welt kümmern. Man kann auch mal Sachen nicht machen – und dafür andere mit Ruhe und Sorgfalt.

*Lesetipp: Köster, Viola: „Umwelt-NGOs. Über die Wirkungen und Nebenwirkungen ihrer Professionalisierung“, Berlin 2012

Modelabel und Atelier „Queen & Princess“

Ein Gastbeitrag von Sonia Shoukry

Jessica Reyes-Rodriguez ist Modedesignerin. Früher hat sie für Labels gearbeitet, die man in jeder Ladenkette in jeder Innenstadt findet. Zu ihrem Job gehörte es auch die Produktionsstätten im Ausland zu besuchen. Was sie dort allerdings zu sehen bekam, gefiel ihr ganz und gar nicht. Kinderarbeit, Textilien, die mit Pestiziden behandelt werden und natürlich ein enormer Wasserverbrauch. „Das muss doch anders gehen“, war ihr Gedanke dazu. Kurzerhand machte sie sich mit „Queen & Princess“ in Emsdetten selbstständig und siehe da: Es ging anders!

Wir diskutieren hier über Glyphosat, über karzinogene Stoffe, nehmen es aber in Kauf, dass in Indien und anderen Ländern, Menschen krank werden, weil sie eben krebserregende Pestizide für unsere Baumwolle benutzen. Wir haben hier ein Verbot von Kinderarbeit, nehmen es aber billigend in Kauf, dass im Ausland Kinder für unsere Mode arbeiten. Das ist ein bisschen schizophren.

Für ihr Label verwendet Jessica Reyes-Rodriguez ausschließlich Biobaumwolle mit dem Gütesiegel „GOTS“ (Global Organic Textile Standard). Bei diesen Textilien lässt sich per Zertifikat von der Saat bis zur fertigen Stoffrolle genau verfolgen, wer wann wie an der Produktion beteiligt war.

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Bild: Queens & Princess

Zu guter Letzt werden die Einkäufe dann zu einer Queen & Princess Kollektion verarbeitet. Dazu gehören Kleider, Blusen, Röcke etc. Und die sehen, im Gegensatz zur gängigen Meinung über Öko-Fashion, so gar nicht aus, wie ein Kartoffelsack, sondern eher klassisch und elegant.

Bei der fertigen Kollektion fängt der Spaß bei Queen and Princess allerdings erst so richtig an. Denn die Designerin setzt ihre Mode auch noch gekonnt in Szene, bei ihren Tea & Fashion Partys. Während Modelle die Stücke präsentieren, wird dazu Tee und selbstgemachtes Gebäck gereicht – natürlich Bio und sogar auf die Kollektion abgestimmt. Bei einem roten Kleid gibt es zum Beispiel einen roten Früchtetee. Dazu wird mit viel Charme über Nachhaltigkeit, die Modebranche und Modetricks informiert.

Natürlich kostet eine Bluse aus der Queen & Princess Kollektion mehr, als eine Bluse bei C&A. Aber mit diesem Aufpreis wird ein nachhaltiger Anbau der Baumwolle unterstützt, eine CO2-arme Produktion und  die Arbeit einer professionellen Designerin, statt eines Kinderarbeit. Und wir bestimmen mit unserem Portmonee ja immerhin wo die Reise in Zukunft hingeht!